Basteln am Ende!

Die Deutschen basteln nicht mehr! Läden für Bastelbedarf machen zu. Diese Meldungen haben uns aufgeschreckt. Mich auch – und jetzt hören (oder lesen) Sie mal, was ich dazu für einen Beitrag gebastelt habe:

Ja, diese Meldung klingt wie eine Erlösung: “In den Kindergärten wird nicht mehr gebastelt.” Vorbei isses mit Pappmobilés ausprickeln, Schmetterlinge falten, trockengepresste Blätter aufkleben und Kastanienmännchen bauen. ICH hab im Kindergarten ja noch kaum was anderes gemacht. Okay, das ist auch vergleichsweise lange her – es steckt aber ähnlich traumatisch in mir wie der gruselige Grundschul-Blockflöten-Pflichtunterricht. Am Ende meines zweijährigen Aufenthalts in der kirchlichen Bastelanstalt St. Marien hatte ich mir eine ungefähr mannshohe Mappe erbastelt. Meine Eltern mussten anbauen, um das alles aufzuhängen!

Dennoch habe ich auch als Schüler noch tapfer mitgebastelt. Sechs Wochen lang immer dienstags, wenn im ZDF-Ferienprogramm Frau Scheele mit ihren Origami-Faltereien kam. Wobei… mitgebastelt… also ich hab ein bisschen untalentiert an dem Papier rumgeknickt, in der Hoffnung, daraus würde ein schöner Schwan. Meistens wurd es nicht mal ein hässliches Entlein.

Aber damit ist es ja nun offenbar vorbei, wenn unser Land jetzt zur Bastel-Diaspora wird. Und das ist auch gut so. Das heißt dann nämlich, dass auch die Tage der Creativa gezählt sind. Für die Nicht-Dortmunder unter ihnen: Die Creativa ist die gefühlt mindestens weltgrößte Bastelmesse – und findet einmal im Jahr für unendlich lange fünf Tage an den Westfalenhallen statt. Und die liegen dummerweise genau, aber auch haargenau auf meinem Weg zur Arbeit. Was heißt: Sechs Millionen ortsunkundige Twingos haben den gleichen Weg wie ich, blockieren blinkend mit 40 die Überholspur der B1, ziehen wie irre rechts rüber Richtung Ausfahrt, wenn dann doch endlich “Westfalenhalle 500 Meter” ausgeschildert wird … aber was reg ich mich auf. Die Wesen, die den Klein- und Kleinstwagen vor der Halle entsteigen, sind ja noch viel besser: Eine solche Ansammlung zu groß gekaufter Poppeline-Jacken in allen Grautönen des bedeckten Himmels treffen Sie sonst nirgendwo. Herrlich!

Eine dieser Creativa-Poppeline-Jacken-Trägerinnen sagte übrigens mal meinen ganz persönlichen Bastelwahn-Lieblingssatz – und da wärs dann schon fast wieder schade, wenn’s das wirklich bald alles nicht mehr gäb. Sie sagte: “Windoh-callor, Windoh-callor, überall gibtet getz Windoh-callor … ich mach ja lieber Fensterbilder!”

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