Heiße Lektüre: Kalter Kuss

Sandra Brown liefert seit Jahrzehnten zuverlässig Krimis und Thriller. Jetzt wieder. “Kalter Kuss” ist ihr neuester Roman. Ich hab ihn für WDR 2 gelesen und rezensiert:

Ein Tag im Mai vor 18 Jahren: Am Rande eines Barbecues von Lyston Electronics wird Susan, die älteste Tochter des Firmenbesitzers, ermordet. Schlecht für die Ermittler, dass just ein Wirbelsturm alle Spuren durcheinanderbringt – ebenso wie die Erinnerungen möglicher Zeugen. Dennoch wird ein junger Mann verhaftet, verurteilt – und kurz darauf im Gefängnis ermordet. – Sprung in die Gegenwart: “Kalter Kuss” erscheint, ein Bestseller, der genau diesen Mord zum Gegenstand hat. Doch das offene Ende säht Zweifel an der offiziellen Version der Ermittler.

Hauptfigur

Bellamy Lyston Price. Autorin von “Kalter Kuss” – und Schwester der ermordeten Industriellentochter. Die Ungewissheit über Susans Tod hat sie nicht losgelassen, weshalb sie sich vom Schreiben Klarheit erhoffte. Sie aber nicht fand. Und so sucht sie weiter nach der Wahrheit: in ihrer eigenen Erinnerung, den Abgründen ihrer Familiengeschichte und verschwundenen Polizeiakten.

Nebenfiguren

Dent Carter. War der Freund der ermordeten Susan – und damals selbst unter Verdacht. Jetzt hilft er Bellamy bei ihren Recherchen. Nicht uneigennützig, denn Carter will nicht nur sich endgültig rehabilitieren, sondern auch dringend ins Bett mit der hübschen Schwester seiner Ex-Freundin. Das ist im Roman deutlich tiefgründiger ge- und beschrieben, als es hier jetzt klingt. Gilt übrigens auch für weitere Nebenfiguren wie den schmierigen Sensationsjournalisten, den großspurigen Ex-Staatsanwalt oder den versoffenen Ex-Polizisten.

Härtefaktor

Es geht bisweilen schon brutal zu. Vor allem, weil einer auf Rache sinnt: Der Bruder des damals Verhafteten und im Knast umgebrachten Mannes. Er will Bellamy Price und Dent Carter ans Leben. Andere Figuren, die Dreck am Stecken haben, vertuschen das, wenn nötig, auch gewaltsam. Aber das geht über das Thriller-typische nicht hinaus. Die Psychologie von Vergessen, Verdrängen und Verlangen ist hier deutlich wichtiger.

Autorin

Sandra Brown, 66: Die Texanerin schreibt seit 1981 Romane, war auch mal Wetterfee im Fernsehen. Seit Jahrzehnten landen ihre Thriller regelmäßig oben auf den Beststellerlisten.

Fazit

Intrigen, Moral und Erotik: drei typische Zutaten der Thriller von Sandra Brown. Hier wieder zu einer packenden Spurensuche mit Überraschungen kombiniert. Die ersten Kapitel sind noch etwas verwirrend, aber dann zieht die Handlung mich als Leser rein, ich will das Buch nicht mehr weglegen. Besonders erfreulich: Ich sehe das Ende nicht kommen – es ist die letzte, logische und doch unerwartete Wendung.

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