Die doppelte Mona

Ein Technik-Thriller übers Surfen mit der Kraft der Gedanken, der in Israel und im Gazastreifen spielt: Das ist mal komplexe Kost, aber die kommt sehr unterhaltend, soghaft spannend daher. „Mona heißt das Thriller-Debüt des Schweden Dan T. Sehlberg.

Ich hab ihn für WDR 2 gelesen und besprochen. Hier auch zum Nachhören.

Mona ist ein kleines Mädchen im Libanon, das wir direkt zu Beginn des Buches kennenlernen. Aber nicht für lange: Denn Mona findet beim Spielen eine Handgranate, denkt, es sei ein Spielzeug, nimmt sie mit ins Haus. Ein tödlicher Fehler, denn die Handgranate explodiert und tötet Mona. Diese kurze Szene zeigt ungeschönt das, was Krieg ausmacht und wie Unschuldige ihm zum Opfer fallen. Es ist die Vorgeschichte zur eigentlichen Haupthandlung: Die spielt fünf Jahre später und dreht sich um eine digitale Mona. Ein hochkomplexer Computervirus trägt diesen Namen – und dieser Virus Mona soll die vernetzte Welt, das Finanzsystem an den Abgrund führen. Ausgehend von einer israelischen Bank. Sie ist das erste Ziel der Hacker.

Das klingt alles sehr technisch und abstrakt, aber so kommt die Geschichte gar nicht daher. Denn im Mittelpunkt stehen die Menschen hinter der Technik. Da ist einmal der Erfinder von Mona, Samir Mustaf, libanesischer IT-Professor, ein Computergenie, ja, aber vor allem ein gebrochener Mann voller verzweifeltem Hass. Sein Gegenspieler wird unfreiwillig ein schwedischer Erfinder: Eric Söderqvist. Der hat ein Gerät entwickelt, mit dem er das menschliche Gehirn an einen Computer anschließen kann. So kann er dann mit seinen Gedanken zum Beispiel im Internet surfen.

Das Bindeglied zwischen den beiden ist Mona. Der Computervirus. Denn kann es sein, dass der Computervirus über die Verbindung zum menschlichen Gehirn auf einen Menschen überspringt? Eigentlich nicht. Aber hier vielleicht doch. Vermutet Erfinder Söderqvist jedenfalls, als seine Frau plötzlich rätselhaft schwer krank wird. Die hatte gerade seine Erfindung ausprobiert und war virtuell bei der infizierten israelischen Bank vorbeigesurft. Wem immer er das erzählt, erklärt ihn für bekloppt – also macht er sich selbst auf die Suche nach dem Mona-Erfinder, denn nur der könnte den Antivirus programmieren – und seine Frau retten.

Das ist einerseits eine abgedrehte Geschichte, aber dabei echt faszinierend. Weil wir uns schnell und intensiv in die Gedanken der Hauptfiguren reinfinden. In ihre Träume und inneren Kämpfe. Auch diese technische Vision klingt nicht völlig absurd. Da merkt man, dass der Autor eigentlich aus der IT-Branche kommt und sich auskennt. Ja und dann kommt Seite 268. Da fallen plötzlich alle Info-Puzzleteile rund um die beiden Monas an ihre Plätze, es macht Klick im Kopf. Wir finden uns plötzlich in diesem Tunnelsystem im Gazastreifen wieder, das wir aus den Nachrichten der letzten Monate ja kennen. Da nimmt die Handlung nochmal Fahrt auf. Soghaft. Wie mehrere Flüsse, die sich zu einem reißenden Strom vereinen. Hier dann ein Datenstrom…

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