Ein Krimi wie ein guter Grisham

Als ich den Titel dieses Krimis gelesen habe, dachte ich: “Na super, wenn das Buch schon ‘Der Schuldige’ heißt, wie soll denn da noch Spannung aufkommen?!”

Aaaber: So klar, wie es scheint, ist das alles gar nicht. Der – angebliche – Schuldige vom Buchtitel ist ein elfjähriger Junge, der seinen achtjährigen Kumpel erschlagen haben soll. Aber der Reihe nach – ich hab das für WDR 2 mal in drei Minuten zusammengefasst:

Story

Der achtjährige Ben liegt auf einem Spielplatz in London. Tot. Brutal erschlagen. Schnell gerät sein Kumpel Sebastian unter Verdacht, elf Jahre alt und einer, der jüngere Kinder gerne piesackt und quält. Aber Mord? Es gibt Zeugen, die einen Streit der Jungs gesehen haben wollen, die Polizei nimmt Sebastian fest, die Indizien sprechen gegen ihn. Doch einer zweifelt:

Hauptfigur

Daniel Hunter. Erfolgreicher Londoner Anwalt. Er kann, ja will sich nicht vorstellen, dass dieser so kindlich aufgeweckte Elfjährige, der ihm im Verhörraum gegenübersitzt, ein Mörder sein soll. Denn Sebastian beteuert seine Unschuld – und ist doch seltsam fasziniert von den blutigen Details der Tat. Und die Sorgen, die er sich um seine Mutter macht, die sollte sich kein Elfjähriger machen müssen. Daniel Hunter fühlt sich zurückversetzt in seine eigene Kindheit, die er nicht bei seiner drogensüchtigen Mutter, sondern in Pflegefamilien verbrachte. Er neigte in dem Alter selbst zu Ausbrüchen von Wut und Gewalt. Bis er zu Minnie kam.

Nebenfiguren

Minnie, eine einfache, etwas sonderbare Frau vom Land. Zu ihr gewinnt der junge Daniel langsam Vertrauen, denn sie nimmt ihn mit seinen Ängsten und Sorgen ernst, hört ihm zu, liebt ihn, glaubt an ihn. Weshalb auch er an sich glauben kann. Sie hält sich und Daniel mit einer Mini-Landwirtschaft über Wasser. Minnie ist eine Einzelgängerin im Dorf, was Daniel und sie noch enger zusammenschweißt. Bevor ein Geheimnis sie entzweit, das Minnie mit sich herumträgt. Was das ist, was sie Daniel angetan hat, darüber finden wir lange nur Andeutungen.

Schauplatz

… sind Schauplätze: London und Brampton, Minnies Heimat hoch oben in Nordengland. Ein Ort, so abgeschieden und vor der Welt verborgen wie Daniels Seelenleben. Als er wegen Minnies Beerdigung dorthin zurückkehrt, bekommt die Mauer um seine wahren Gefühle Risse. Wir merken: Die Auseinandersetzung mit der möglichen Tat seines elfjährigen Klienten zwingt ihn zur Begegnung mit seinem früheren Ich.

Autorin

Lisa Ballantyne, 39-jährige Schottin. Hat Englische Literatur studiert, lange in China gelebt und unter anderem als Uni-Dozentin gearbeitet. “Der Schuldige” ist ihr erster Roman, war in Großbritannien ein großer Erfolg und hat sich inzwischen in 20 weitere Länder verkauft.

Fazit

Es ist ein furioses Debüt, das Lisa Ballantyne hier hinlegt. “Der Schuldige” liest sich wie die Justizromane von John Grisham zu dessen besten Zeiten. Schon mit seinem Titel reiht sich “Der Schuldige” nahtlos in die Namen der Grishams ein: “Die Jury”, “Der Anwalt”, “Der Gefangene” und wie sie nicht alle hießen. Und wie er transportiert auch Ballantyne wunderbar die Spannung eines Gerichtsprozesses. Wir sind mittendrin in den Kreuzverhören, lernen Taktik und Überraschungen, Strategie und Wendungen. Spannend und verstörend bis zur letzten Seite.

Share on Facebook

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.