Krimitipp: „Der Tod bin ich“

Dieser Krimitipp ist eigentlich eine Agentengeschichte. Klar, Leichen gibts auch, Morde sind aufzuklären, aber wir begleiten mal nicht den Kommissar bei seinen Ermittlungen. „Der Tod bin ich“ heißt das Buch. Der Titel: Ein Zitat von Robert Oppenheimer, des Vaters der Atombombe. Und damit sind wir auch schon mittendrin in der Geschichte, die ich für WDR2 erzählt und rezensiert habe:

Story

Der ehemalige Gutsverwalter Eulmann wird erschossen. Kurz darauf eine Bergbäuerin. Beide in Bayern. Männer in den USA und Großbritannien telefonieren deswegen. Offenbar Agenten. Erstmal verwirrend. Dann ein Zeitsprung: Das geteilte Deutschland im Kalten Krieg. Ein DDR-Atomphysiker flieht in den Westen und gerät zwischen die Fronten. Denn er ist so gut, dass er mitmischt bei der Suche nach der Weltformel. Also der einen Theorie, die alle physikalischen Phänomene erklärt. Auf sie hoffen nicht nur die Grundlagenforscher, sondern auch das Militär.

Hauptfigur

Berthold Oftenhain durfte in der DDR Physik studieren. Doch als sein Vater in Bautzen inhaftiert wird, will er weg. Nach geglückter Flucht wirbt ihn der US-Geheimdienst an: Oftenhain wird eingeschleust bei Top-Physikern, deren Grundlagenforschung er verraten soll. Doch der KGB will diese Erkenntnisse auch – und erpresst ihn mit seinem inhaftierten Vater: Oftenhain wird Doppelagent.

Nebenfiguren

Das sind vor allem die drei Agenten, die mehr oder weniger versteckt an Berthold Oftenhain zerren. Amerikaner, Briten und Sowjets wollen die Nase vorn haben, wenn die Weltformel entdeckt wird. Gerade die Zeichnung dieser Nebenfiguren lässt die Atmosphäre der Zeit des Kalten Krieges beim Lesen lebendig werden.

Schauplatz

„Der Tod bin ich“ spielt vor allem im Voralpenland, München und der nahen Schweiz. Doch am wichtigsten ist das, was im Kopf der Hauptfigur passiert: Oftenhain übersetzt physikalische und mathematische Zusammenhänge in Musik, will so der Harmonie des Ganzen auf die Spur kommen. Diese Gedanken machen das Buch besonders, nicht immer leicht, aber spannend.

Härtefaktor

Gewalt wird nicht ausgeschmückt. Hart ist, den psychischen Druck nachzuvollziehen, unter dem Oftenhain über Jahre steht. Seine Angst, der Verrat und dadurch die Unfähigkeit zu ehrlichen Beziehungen.

Autor

Über Max Bronski – ein Pseudonym – weiß man nicht viel. Laut Verlag hat er Theologie und Musik studiert und beschäftigt sich mit theoretischer Physik. Bei Lesungen tritt oft der Schauspieler Michael Fitz für ihn auf – früher Assistent im Münchener Tatort. Aber ob Fitz auch Bronski ist? Unklar.

Fazit

Kein Krimi wie jeder andere. Weniger die Tätersuche ist hier wichtig, vielmehr die Frage: Wie hängen die Zeitebenen miteinander zusammen? Wer es ein bisschen komplexer mag, wird hieran Freude haben.

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