Von Deppen-Apostroph und Gender-Gap

Eigentlich sind einzelne Zeichen oder Buchstaben ja nicht so DAS Radiothema. Aber was ich da für WDR4 alles zusammengetragen habe: Das ist tatsächlich hörenswerte Zeichensetzung.

Unter einem Deppen-S-Apostroph kann sich ja fast jede_r was vorstellen, aber kannten Sie schon die Gender-Gap? Tatsächlich ein inzwischen gebräuchliches Zeichen. Aber der Reihe nach:

Da isses wieder, zwischen i und s prangt es an Heidi’s Grillstube. Das Apostroph, der hohe Strich, der das besitzanzeigende S von seinem Wort trennt. Wir finden es in jedem Stadtbild dutzendfach: An Kiosken, Imbissen, Lädchen – also überall, wo sich die verkaufenden Connis, Günters oder Willis verewigen. Und obwohl es dieser kleine Strich inzwischen tatsächlich in den Duden geschafft hat: Mir geht er gegen denselben. Also Strich. Denn im Deutschen ist er da einfach falsch.

Da leg ich mich quer – genau wie das Apostroph – und schon ist es ein Bindestrich. Der trefflich falsch eingesetzt plötzlich Dinge verbindet, die nicht zusammengehören. Sondern eher nebeneinanderstehen. Duisburg und Essen zum Beispiel. Da liegen ja nunmal nachweislich noch Mülheim und Oberhausen dazwischen. Stadtgrenzen, die der Bindestrich bei der gemeinsamen Hochschule mühelos überwindet. Nennt die sich doch selbst Universität Duisburg Bindestrich Essen. Mir sträubt sich da alles. Heißt das, Duisburg und Essen sind jetzt eine Stadt? Wie Castrop-Rauxel oder Wanne-Eickel? Oder ist Essen jetzt ein Stadtteil von Duisburg, wie in Dortmund-Dorstfeld oder Köln-Nippes? Hier würde ein Schrägstrich für Klarheit sorgen: Zwei eigenständige Städte als gleichberechtigte Teile des Ganzen nebeneinander gestellt. Daran könnte ich mich gewöhnen.

Hieran übrigens auch: Wenn Sie den Bindestrich tieferlegen, wird er zum Unterstrich. Dann kann man ihn als “Gender-Gap” einsetzen. Als was? Gender-Gap! Geschlechterlücke. Gibts wirklich. Für politisch korrekte Sprache. Dann müssen Sie statt “Kolleginnen und Kollegen” nicht mehr KollegInnen mit diesem großen I in der Mitte schreiben, wenn Sie’s geschlechtsneutral schreiben wollen. Dafür gibts jetzt die Gender-Gap: Bei Kolleginnen lassen Sie zwischen Kolleg und innen einfach ne Lücke, symbolisiert durch den Unterstrich. Und diese Lücke zwischen den Geschlechtern lässt dann auch denen Platz, die sich weder bei Männlein noch bei Weiblein einordnen wollen. – Für sowas liebe ich Sprache!

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19 Gedanken zu „Von Deppen-Apostroph und Gender-Gap“

  1. Der Gender_Gap schafft zumindest eines, er lässt den Abstand zwischen den Geschlechtern größer werden.
    Der Höhepunkt ist erreicht, wenn man mit „Liebe Mitglieder_rinnen“ angesprochen wird.
    Wo man bisher geschlechtsneutral alle angesprochen hat, wird jetzt ein Unterschied gemacht. Gleichberechtigung bedeutet nicht das hervorheben (Gender_Gap) oder gar noch das bevorzugen (Frauenquote) der Weiblichkeit.

    Das Lustige ist, die Weiblichkeit freut sich über Gender_Studiengänge und Gender_Gap-Schreibweisen an Universitäten etc. und schauen dann zu, wie bei Olympia der Frauenrodel 2 Kurven weiter unten los fährt und die Skispringerinnen erst gar nicht auf die große Schanze dürfen (beim Skispringen, wäre der leichtere weibliche Körper, sogar dem männlichen überlegen).
    Studiert nur weiter sinnloses Zeug und freut euch über jeden schwer erkämpften Unterstrich. Ich schaue Winterolympiade und lache über die ganze pseudoemanzipierte Bewegung.

    PS: Neben bei schaue ich dann noch Kochsendungen in denen es nur männliche Steneköche gibt 🙂

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