Die schönste oder schlimmste Zeit des Jahres?

Grad ist die schönste Zeit des Jahres, sagen Sie? Urlaub, Sonne, Strand, fremde Länder, nette Leute? – Jaaaa, das ist das, was wir nach den Ferien immer erzählen. Aber wie viel davon ist wahr? Denn wer gibt schon gerne zu, dass die zwei Wochen, auf die man ein halbes Jahr hingearbeitet hat, die Vollpleite waren? Ich täts auch nicht, aber ich hab zumindest mal für WDR4 drüber nachgedacht:

Das Elend fängt ja schon VOR dem Abflug an: Noch vier Wochen, und ich bin weit von der Badehosenfigur entfernt. Da helfen Fahrradfahren und Salatessen auch nur noch bedingt – ich würds am liebsten direkt bleiben lassen. Aber den Anblick will ich den anderen am Pool und meinem Spiegelbild dann doch nicht antun. Aber wenn mein Friseur mal wieder fragt, wie’s denn mit Urlaub aussieht: “Suuuper. Kanaren! Herrlich! Ich freu mich schon total.” Von prä-lanzarotenischer Hungersnot ist da keine Rede.

Der große Tag beginnt morgens um vier, völlig übernächtigt, weil der Koffer stundenlang nicht zuging. Check-in-Schlange nebst schon betrunkenen Kegelclubs, Gebühr für Übergepäck, und ne Stunde stickig warten an der Sicherheitskontrolle – das kennen Sie ja auch alles. Klimaanlage im Flugzeug zu kalt, Außentemperatur nach der Landung wie ein Schlag mit dem Hammer und der Mietwagen hat keine Klima – das ist dann also Urlaubsfreude pur? Meinem Friseur werd ich das später zusammenfassen als “Endlich mal andere Leute sehen. Schön warm wars auch. So muss Sommer sein.”

Soviel zum Wetter. Was schreib ich denn nu übers Essen auf die Postarte? Ich krieg da gar nicht so viel von mit, was an der Uhrzeit liegen mag. Das Hotel ist ausgebucht, deswegen werden die Gäste in vier Gruppen zum Frühstück geschickt. Wir sind direkt in der ersten: Morgens von halb Fünf bis viertel nach Fünf – da sind die Brötchen auch noch ganz frisch knackig tiefgefroren. Jetzt lohnt es sich aber auch nicht mehr, nochmal ins Bett zu gehen, also an den Pool. Oder besser rein in den Pool, denn AM Becken sind keine Liegen mehr frei. Die Engländer und ihre Handtücher, Sie erinnern sich bestimmt… “Viel Zeit zum Entspannen und nen richtig toll internationales Publikum” wird das später für meinen Friseur übersetzt.

Der Pool ist zu kalt, also ab an den Strand: Für 12 Euro mal ne Stunde so ne Liege gemietet, der schwarze Sand ist einfach zu heiß, um direkt drinzuliegen. Danach gehts dann leicht verbrannt in die Fluten – Salzwasser soll ja gesund sein für geschundene Haut. Ich plansch so vor mich hin, da kommt wie aus dem Nichts ein Riiiiiiesenwelle auf mich zu, überrollt mich, zieht mich nach unten, ich bekomme keine Luft mehr, stattdessen Wasser in die Lunge, weiß nicht mehr, wo oben und unten ist … und werde wach! In meinem Bett. Zuhause. Was bin ich froh, dass ich diesen Sommer gar nicht wegfahre, weil ich keinen Urlaub bekommen hab! Und vor allem kann ich jetzt ohne Probleme zum Friseur gehen!

Share on Facebook

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.