Hochdekokrierte Hamster

Zwei Hamster rocken ein Filmfest: Die zwei namenlosen Helden des Kurzfilms „Die neue Waschmaschine“ waren die heimlichen Stars der 68. Deutschen Filmfestspiele in Krefeld.

Das ist das jährliche Festival der nichtkommerziellen Filmemacher hierzulande. Ein buntes Familientreffen engagierter, begeisterter und begeisterungsfähiger Filmautoren, die mit einfachsten Mitteln ambitionierte und sehenswerte Streifen abliefern.

Der Mediengestalter Winfried Bellmann hatte mit seinem Hamster-7-Minüter im Jahr 2008 Diplom gemacht – und reüssiert damit seitdem regelmäßig auf Festivals im In- und Ausland. Unter 67 Werken aus ganz Deutschland sorgten die beiden Hamster mit ihrer Eroberung des ultimativen Laufrades (Waschmaschine) für Begeisterung bei Zuschauern und Jury. Am Ende gabs einen der sieben Filmpreise, den Sieg in der Publikumswertung und eine von fünf Weitermeldungen zum Internationalen Festival der nichtkommerziellen Filmemacher, zur UNICA.

Winfried Bellmann (zusammen mit Doreen Schweikowski) durfte sich außerdem über den FantEx-Wanderpreis für den besten Fantasy-/Experimental-Film freuen: „Timetravel Inc. E“.

Doch der Abräumer aus Erfurt stellte damit nicht die Leistung der anderen Filmemacher in den Schatten, die eine beeindruckende Zahl sehenswerter, emotionaler, informativer Filme aus verschiedenen Genres boten. Die anderen sechs Filmpreise vergab die Jury (Schauspielerin Dorothea Neukirchen, Fotograf Jürgen M. Wogirz und ich) an diese Filme:

  • In „Zwischen Licht und Schatten“ zeichnet Fabian Gießler nach, wie sich die Demenz in die Beziehung eines Ehepaares schleicht. Sensibel und realistisch erzählt, mit feinem Humor und ohne rührselig zu werden, berührte Gießler Zuschauer und Juroren.
  • Ähnlicher Titel, ganz anderes Thema: „Lichterglanz und Feuerzauber“ von Christine und Klaus Wilkerling schildert im Stil der klassischen Reportage ein abenteuerliches Ballon- und Lichterfest in Myanmar. Ganz nah dran, lassen die Autoren die Zuschauer mitfiebern und staunen.
  • Mit „Die Gottesanbeterin und ihr natürlicher Lebensraum“ ist Josef Zauner ein großartiger Naturfilm mit außerordentlichen Tieraufnahmen gelungen. Acht Jahre Zeit hat er sich gelassen, bis die besten und nötigen Bilder zusammen waren. Das Ergebnis ist unterhaltsam und lehrreich – so haben Sie Ihre Wiese noch nie gesehen!
  • Männer und Frauen passen einfach nicht zusammen, hat schon Loriot behauptet. Benjamin Teske belegt diese These mit den Mitteln der Kirmes in „Rummel“. Selten wurde ein Monolog so konsequent schön ins Bild gesetzt.
  • Und dann noch eine ganz besondere Idee: André Jagusch hat mit „Vergiss nicht“ einfach mal „nur“ den Trailer produziert und darin gleich den ganzen Film erzählt. Eigentlich folgerichtig, denn wie oft bin ich schon aus dem Kino gekommen mit dem Gedanken „Hätt‘ mir den Film sparen können, das Beste war ja alles schon im Trailer“. Prädikat: Höchst unterhaltsam.

Wer sich das Vergnügen solch höchst unterschiedlicher Filme aller Genres mal gönnen will: Im nächsten Jahr finden die Deutschen Filmfestspiele im bayerischen St. Wolfgang statt, dazwischen gibts aber auch noch die ganzen Bundesfilmfestivals der einzelnen Sparten. Nähere Infos dazu laufend beim BDFA, dem Bundesverband Deutscher Film-Autoren.

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3 Gedanken zu „Hochdekokrierte Hamster“

  1. Hallo Herr Beisenherz!
    Sie waren mit Ihrer Kollegin Frau Neukirchen und dem Kollegen Herrn Wogirz eine Bereicherung der 68. Deutschen Filmfestspiele in Krefeld. Vielen Dank für Ihre Wortbeiträge und Unterstützung.

  2. Da sage ich jetzt aber auch noch einmal „Danke“ für die schönen Tage (obwohl wir diese ja weitgehend in Dunkelheit erlebt haben!) in Krefeld und die vielen interessanten Gespräche auf der Bühne über die präsentierten Filme!!
    Jürgen M. Wogirz, Jurymitglied

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