Eiskalter Frühlingstod

“Frühlingstod” heißt der Krimi, den ich jetzt bei WDR 2 vorgestellt habe. Harter Stoff, da warne ich Sie gleich vor. Alles beginnt mit einer Bombenexplosion auf einem Marktplatz, bei der zwei Mädchen getötet werden.

Story

Wer hat die Bombe aufs Fahrrad geschnallt und auf dem belebten Marktplatz einer schwedischen Kleinstadt hochgehen lassen? Das ist die Kernfrage des Buches. Ermittelt wird in viele Richtungen: Wollten Terroristen Angst und Schrecken verbreiten? Hatten es radikale Kapitalismusgegner auf die Bank am Platz abgesehen? Haben die örtlichen Rockergruppen etwas mit dem Fall zu tun? Oder galt die Bombe gezielt den getöteten Mädchen?

Hauptfigur

Kommissarin Malin Fors sucht die Antworten auf diese Fragen. Dabei hat sie selbst eigentlich genug Probleme: Den Alkohol hat sie derzeit im Griff – lange war es umgekehrt. Die Depression zieht sie immer noch in tiefe Seelenlöcher. Und sie hat gerade eben ihre Mutter beerdigt – eine Mutter, die dieser Rolle wohl nie gerecht geworden war. Wie ihre privaten Probleme, die Innenwelt der Hauptfigur, mit der Außenwelt des Falles verwoben werden, das ist eine der großen Stärken von “Frühlingstod”.

Nebenfiguren

Die stärksten und wichtigsten Nebenfiguren – und jetzt wird’s etwas phantastisch – sind die beiden getöteten Kinder. Sie mischen sich aus einer Art Zwischenwelt in die Ermittlungen ein, scheinen mit Malin Fors zu reden. Wollen sie auf die richtige Spur bringen. Die offenbar zu weiteren Kindern führen soll, von denen lange nicht klar ist: Gibt es sie wirklich? Und was haben sie mit dem Fall zu tun? Doch keine Angst: Auch diese Fragen werden in einem furiosen Finale beantwortet.

Schauplatz

Die schwedische Kleinstadt Linköping. Das Leben dort steht stellvertretend für unsere zutiefst verunsicherte Gesellschaft: Zwischenmenschliche Beziehungen sind hier eher kaputt als gesund. Geld und Erfolg sind die Ziele, nach denen zu streben es sich lohnt. Die einzigen. Und Kinder? Eher Mittel zum Zweck oder im Weg. In diese menschlichen Abgründe blickt Ermittlerin Malin Fors immer wieder. Kaum verwunderlich, dass sie darüber zur depressiven Alkoholikerin geworden ist. Allerdings mit blitzschnellem Verstand und wachem Instinkt.

Härtefaktor

Der ist hoch. Das Bild des Marktplatzes nach der Bombenexplosion hab ich leider sehr genau vor Augen. Doch das gehört dazu. Die Brutalität schönzureden oder wegzuschweigen passte nicht zur brutal-ehrlichen Zeichnung der Figuren des Romans. Da müssen wir also wohl oder übel durch, wenn das Buch wirken soll.

Autor

Der Schwede Mons Kallentoft ist Autor und Journalist. Das erklärt, warum sich manche Kapitel wie Reportagen lesen. Er ist selbst in der Nähe von Linköping aufgewachsen – wie die beiden Kinder, die zu Beginn sterben. “Frühlingstod” ist der vierte Fall für Malin Fors in deutscher Übersetzung. Die Schweden sind schon weiter: Dort erschien im vergangenen Jahr bereits Band sieben.

Fazit

Es ist kein Spaß, sich in die Tiefen des menschlichen Charakters zu begeben – aber lesenswert ist “Frühlingstod” unbedingt.

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