Schrille Tage im Klischee

Ich liebe Krimis. Gedruckte wie verfilmte. Dabei dürfen die gerne aus Schweden, Dänemark, England, Venedig, Schottland sein – oder auch aus Deutschland. Doch genau bei einer Untergattung der Letztgenannten hab ich zunehmend Probleme: Warum bitte müssen Regionalkrimis immer eine Spur überdrehter, platter, klischeeiger sein als alle anderen?

Für 1,99 € das Stück gibts bei Aldi Nord grad Regionalkrimis aus ganz Deutschland. Da hab ich mich mal wieder mit ein paar davon eingedeckt. Okay, mögen Sie sagen, wer seine Bücher beim Discounter vom Grabbeltisch kauft, sollte nicht zu viel erwarten. Aber bitte: Das sind ja alles Neuauflagen bereits vorher bei renommierten Verlagen erschienener Werke. Also erwarte ich schon ein bisschen Anspruch.

„Paparazzi-Poker“ von Fabian Lenk war eines der Schnäppchen. Ein Journalist als Protagonist: Der Kollege interessierte mich. Dann noch das Glitzer-Bussi-Showgeschäft als Setting für diesen Krimi. Das versprach spannende Unterhaltung. Die bekam ich auch – zunächst. Denn die vordergründigen Plattheiten ärgerten mich zunehmend: Die bis aufs Blut konkurrierenden Showmaster heißen Ted von Then und Jacques Jolie – wenn der Autor nicht will, dass ein Leser seine Figuren ernst nimmt, gibt er ihnen solche Namen. Der Fotochef der Boulevardzeitung, bei der Protagonist Mirko Lose (so ziemlich der einzige normale Name in diesem Buch) arbeitet, hört auf die Vornamen Michael und Angelo. Lassen Sie mal das „und“ weg… Lächerlich, oder? Aber auch die Zeichnung der meisten Figuren verkommt zum puren Abziehbild: Der Chefredakteur des Boulevardblattes sitzt fett und skrupellos den ganzen Tag gummibärchenfressend am Schreibtisch, während der CvD eilfertig und frustriert keine Entscheidungen treffen mag. Außerdem sind sie im Showbiz offenbar alle immer geil und besoffen.

Reicht als Eindruck, oder? Und wenn ich dann so an die anderen Regiokrimis der letzten Jahre zurückdenke, fällt es doch auf: Die Protagonisten essen wahlweise dauernd Käsespätzle oder Mandelhörnchen, streiten sich mit dem Doktor des Ortes oder den Sekretärinnen und treffen auf Nebenfiguren, auf deren Charakterisierung selten mehr als zwei Zeilen oder auch nur ein paar Schlagworte verwendet werden.

Warum ist das so? Haben die Autoren bei ihren Verlagen zu wenige Seiten zur Verfügung? Mangelt es ihnen an Mut zur Figurentwicklung über die Strecke eines ganzen Buches oder gar einer Reihe? Oder wollen sie, die sie ja oft über die eigene Region schreiben, es den Lesern möglichst einfach machen, zu erkennen, welche Romanfigur jetzt wieder für welche reale Person steht? Nach dem Motto: „Du kommst auch drin vor!“

Das kann ja bisweilen sogar unterhaltsam sein, die realen Personen wirklich zu erkennen. Doch bleibt ein schaler Geschmack des ungesunden Genusses zurück wie nach sechs Mandelhörnchen oder drei Tellern Käsespätzle…

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