Schlagwort-Archive: Rezension

Horror in der englischen Pampa

In seinem 13. Fall verschlägt es Mark Billinghams Ermittler Tom Thorne in eine Kleinstadt, in der nach einer mutmaßlichen Entführung Angst und Misstrauen um sich greifen. Für WDR 2 hab ich den Krimi besprochen.

Es ist ein Albtraum in einem kleinen Ort: Zwei junge Mädchen sind verschwunden. Die ganze Dorfgemeinschaft ist in Aufruhr, alle Fremdenzimmer von Journalisten und Polizisten belegt. Die Gegend wird durchsucht und durchkämmt. Und natürlich blüht das Misstrauen. Denn allen ist klar: Das muss einer von ihnen gewesen sein. Einer, den alle kennen.

Das Böse in der heilen Welt

Das ist ein klassisches Motiv im Krimi: Das Böse bricht in die kleine heile Welt ein. Und das ist hier wunderbar gelungen. Der Autor

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Grip und N.: Wer ist der Schwede?

„Der Schwede“ von Robert Karjel ist ein Krimi mit einer sehr entschlossenen Hauptfigur: Ernst Grip, Geheimagent und königlicher Leibwächter in Schweden. Er ist auf der Suche nach der Lösung seines aktuellen Falls – und nach sich selbst.

Auf WDR 2 habe ich „Der Schwede“ als Krimitipp besprochen:

Ernst Grip ist Polizist, Geheimagent in der Leibgarde des schwedischen Königs. Dieser Job ist aber eher Nebensache, denn Grip wird dienstlich aus Stockholm in die USA geschickt. Warum, das weiß er gar nicht so genau. Und auch die Frau vom FBI, die sich um ihn kümmert, sagt erstmal nichts. Sie geht lieber koreanisch mit ihm essen. Und fliegt mit ihm noch ein paar Stunden weiter – immer noch ohne nähere Hinweise auf seinen Auftrag.

Eingeflochten in diese Handlung im „Hier und Jetzt“ erfahren wir in Rücksprüngen Details aus Grips Vergangenheit. Vor allem über verstörende Momente auf seiner Suche nach sich selbst, seinen wirklichen Wünschen und Bedürfnissen.

Wer ist denn nun „Der Schwede“?

Aber Grip ist nicht die alleinige Hauptfigur. Und auch nicht der einzige, der mit dem Buchtitel gemeint sein könnte. Wir kommen nämlich auch noch N. ein bisschen näher. Der heißt wirklich so in dem Buch. N. überlebt an Weihnachten 2004 den Tsunami in Thailand. Wir tauchen als Leser in seine Gedankenwelt ein – und die ist erstmal so wirr und undurchschaubar, wie die Gedanken eines Traumatisierten wohl sind. Was uns schnell klar wird: Der Tsunami stellt N.s Leben auf den Kopf. Macht aus ihm einen anderen, lässt ihn Dinge tun, die vorher so gar nicht zu ihm gepasst hätten.

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Tops und Flops meiner Urlaubslektüre

Urlaubszeit=Lesezeit. Die hab ich für einige Bücher genutzt. Lohnende und weniger tolle. Hier gibts den knappen Überblick – als Tipps und Warnung für euren nächsten Urlaub …

Jens Westerbeck: After Show Party

Amüsante Mediensatire, über die es einen eigenen Text hier gibt.

Marcus Rafelsberger: Das Prinzip Terz

Der etwas andere deutsche Krimi. Konrad Terz, der ermittelnde Kommissar, ist sowas wie ein Professor Börne in skrupellos und verheiratet. Nicht auf den ersten Blick ein Sympathieträger, und doch hoffen wir, dass er mit allem durchkommt, was er sich so leistet. Und das ist einiges, für das man normalerweise sehr lange von der Bildfläche verschwindet. 

Das Prinzip Terz ist die Neuauflage eines schon 2004 erschienenen Krimis. Inzwischen hat Rafelsberger unter dem Pseudonym Marc Elsberg mit Blackout und Zero zwei vielbeachtete Thriller zu aktuellen Fragen unserer modernen Gesellschaft geschrieben: Stromversorgung und Vernetzung. Klingt trocken, ist aber alles andere. 

Wer sich von Commissario Brunetti manchmal noch ein bisschen mehr Unkorrektheit wünscht, der wird an Kommissar Terz seine Freude haben.

Neal Baer: Der Rätselmacher

Irrer Killer gegen brave Ärztin: Bekanntes Prinzip lesenswert verpackt. Wer Serienkiller-Krimis mag, wem am Pool in der Sonne nach Gänsehaut ist, der liegt mit diesem Buch richtig.

Martin Calsow: Quercher und der Totwald

Wunderbar! Gradliniger Kommissar ermittelt in bayerischen Adelskreisen und verwickelt sich dort auch privat. Mit viel Witz und Hintesinn geschrieben, kein Klamauk und absolut vorstellbar. Mal wieder ein Regionalkrimi, der heraussticht aus der großen Menge der Regios. 

Josh Malerman: Bird Box – Schließe deine Augen

… Und fang am besten gar nicht erst an, dieses Buch zu lesen. Angepriesen als Mischung aus Hitchcocks Die Vögel und Stephen King stellt es sich als lähmend langatmige Schilderung der Flucht einer Frau mit ihren Kindern vor einer unsichtbaren Bedrohung heraus. Unsichtbar deshalb, weil alle die Augen verbunden haben. Denn irgendwas treibt die Menschen in den Selbstmord, sobald man es ansieht. Und hat so offenbar nahezu die gesamte Menschheit umgebracht. 

Warum? Keine Ahnung! Weil es das kann? Hmm… Und was ist die Bedrohung? Erfährt man auch nicht. Außer ein paar Theorien der Opfer. Vielleicht ist es die Angst der Menschen selbst, die sie in den Wahnsinn treibt? Am Ende bleibt da alles offen. 

Die größte Enttäuschung aus diesem Stapel Urlaubslektüre.

John Grisham: Anklage

Was soll ich da groß schreiben: ein echter Grisham. Kleine Anwälte, ein übermächtiger Gegner (in diesem Fall die skrupellose Kohleindustrie), viele Infos über Zusammenhänge und Prozesse … die Zutaten eines spannenden Gerichtskrimis sind alle da. 

Ich mag das ja. John Grisham ist mein längster Urlaubsbegleiter. Ich hab mit seinen ersten Büchern vor vielen Jahren in Dänemark im Familienurlaub unterm Baum gesessen. Ein verlässlicher Begleiter, dieser John Grisham.

Und doch ist Anklage anders: Wenn es nämlich ans Eingemachte geht, wenn jetzt mal jemand wirklich klagen könnte, ist das Buch zuende. Stattdessen ist es eine Anklage gegen die profitgierige, umweltzerstörende Kohleindustrie, die in den Appalachen Menschen und Natur zerstört. Insofern doch eher ein ungewöhnlicher Grisham, aber ein wichtiger.

 

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Heiße Lektüre: Kalter Kuss

Sandra Brown liefert seit Jahrzehnten zuverlässig Krimis und Thriller. Jetzt wieder. “Kalter Kuss” ist ihr neuester Roman. Ich hab ihn für WDR 2 gelesen und rezensiert:

Ein Tag im Mai vor 18 Jahren: Am Rande eines Barbecues von Lyston Electronics wird Susan, die älteste Tochter des Firmenbesitzers, ermordet. Schlecht für die Ermittler, dass just ein Wirbelsturm alle Spuren durcheinanderbringt – ebenso wie die Erinnerungen möglicher Zeugen. Heiße Lektüre: Kalter Kuss weiterlesen

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Willkommen in Paranoia!

Buchcover "ZERO" von Marc Elsberg
Buchcover „ZERO“ von Marc Elsberg

Vor zwei Jahren machte Marc Elsberg mit “Blackout” Furore. Einem Thriller um die Sicherheit und Angreifbarkeit unserer Energieversorgung. Jetzt setzt er sich in ZERO mit Datensammeln und der Vernetzung unseres Alltags auseinander. Ich habe ZERO für WDR 2 gelesen und besprochen:

“Zero” funktioniert auf mehreren Ebenen: Erstmal ist es ein Thriller. Es sterben Menschen: Einer wird von einem gesuchten Straftäter erschossen, einer kommt unter seltsamen Umständen ums Leben. Vielleicht ein Unfall… Und womöglich gibt es noch viel mehr ungeklärte Todesfälle. Versteckt in Statistiken. Denen will eine technikskeptische Journalistin auf die Spur kommen. Willkommen in Paranoia! weiterlesen

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955 Seiten, die es in sich haben

Cover "Breaking News"Frank Schätzing, der Bestsellerautor aus Köln, hat ein neues Werk auf dem Markt: „Breaking News“. Ich hab’s gelesen und für WDR 2 besprochen.

Schätzing mag die großen Fragen: „Der Schwarm“ war ein Ökothriller auf dem Meeresgrund. In „Limit” ging es um die Energie der Zukunft – auf dem Mond.

In seinem neuesten Roman wird Schätzing wieder ganz irdisch und nimmt uns mit in eine der brisantesten Krisenregionen der Welt. In die Region, aus der jetzt schon seit Jahrzehnten immer wieder traurige Breaking News – also Eilmeldungen – kommen: in den Nahen Osten. Genauer: nach Israel. 955 Seiten, die es in sich haben weiterlesen

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Der französische Brunetti

Buchcover "Mörderische Cote d'Azur"Ein neuer Kommissar betritt die Krimibühne: Léon Duval. Er arbeitet ab sofort da, wo andere Urlaub machen: An der Côte d’Azur, der französischen Mittelmeerküste.

Da ist er gerade hingewechselt – und hat nicht wirklich Zeit, sich einzuleben. Denn in „Mörderische Côte d’Azur“ steht er vor einem heiklen Fall, der schnell gelöst sein will. Für den WDR 2 Krimitipp habe ich das Buch gelesen und besprochen:

Story

Filmfestival in Cannes. Alle sind sie da, die Reichen und Schönen und Kreativen. Auch Serge Thibaut, gefeierter Naturfilmer. In seiner letzten Hauptrolle: als Leiche. Erschossen während der Premiere seines jüngsten Werks. Doch warum? War er der Konkurrenz in der Naturfilmer-Szene zu kommerziell? Hatte seine Ehefrau endgültig genug von ihm? Oder verbarg er ein dunkles Geheimnis? Der französische Brunetti weiterlesen

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Warum Breaking Bad genial ist.

Ja, das haben bestimmt schon viele geschrieben. Warum Breaking Bad eine geniale Fernsehserie ist. Ich hab’s aber alles nicht gelesen, weil ich’s erst sehen wollte. Mich nicht spoilern lassen. (Spoilerwarnung: Wer die Serie noch nicht gesehen hat, sollte jetzt nicht weiterlesen, sondern erst gucken und dann hierher zurückkehren!)

Das hab ich jetzt geschafft. Fünf Staffeln in einigen Wochen. Die letzte in zwei Tagen zwischen den Jahren. Und da ist ein Bild entstanden in meinem Kopf, die Gründe, warum Breaking Bad richtig gutes Fernsehen ist.

Die Idee ist neu.

Nicht einfach ein Thriller, keine neue Sitcom, keine Krimiserie, keine Anwalts- oder Arztserie. Nein: Die Geschichte eines Chemielehrers, der Krebs hat und als Meth-Koch – also mit Drogengeld – für seine Familie vorsorgen will, die ist neu, so noch nie erzählt worden. Also gibts auch keine Erwartungen, die erfüllt oder enttäuscht werden könnten. Zwei Jahre im Leben des Walter White und seiner Familie tragen uns durch die fünf Staffeln. Warum Breaking Bad genial ist. weiterlesen

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Karin schweigt, und Friedhelm furzt.

„Urlaub mit Esel“ will Karin mal einmal nicht machen, und schickt ihren Björn deshalb in die Uckermark. Alleine. Wir ahnen: Sie hat mit ihm die Krise, und er es nicht gemerkt. Das soll die Reise ändern.

Mit vielen Klischees über die Uckermark, die Heimat Angela Merkels, beginnt das Unternehmen und damit eben auch Björns Geschichte. Wir reisen mit ihm, haben genau seine Vorbehalte gegen den Trip, seine Vorurteile gegen die Gegend und seine Probleme mit Friedhelm. Der ist nämlich sein störrischer Wegbegleiter. Bockend und furzend. Ja, da schreibt Gantenberg echten Slapstick.

Das Bemerkenswerte an diesem Buch ist wieder mal das Markenzeichen des Autors: Mit viel Humor transportiert er tiefere Einsichten. Ohne kitschig oder gefühlsduselig zu werden. Das besorgen vor allem bedrückend echte Mails und SMS zwischen zwei Partnern, die an verschiedenen Stationen ihrer Ehe angekommen sind und nurmehr zwischen den Zeilen kommunizieren. Der eine verzweifelt schwafelnd, die andere resigniert kühl. Dazwischen Uckermark und Ungewissheit. Karin schweigt, und Friedhelm furzt. weiterlesen

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Tut gar nicht weh: Hurts

100830_hurtsEndlich ist es da, das Debütalbum von „Hurts“. Ja genau, von den beiden Herren aus Manchester, deren „Wonderful life“ gerade immer genau dann läuft, wenn ich das Radio einschalte (wobei der Sender fast egal ist, bis auf die Schlager-, Wort- und Klassikwellen spielen ihn alle.) Hurts also jetzt mit nem ganzen Album. „Happiness“ heißt es. Und ja, genau die erzeugt es beim Hören.

Während dieser Text entsteht, schallt es zum ersten Mal aus meinen Boxen, und garantiert nicht zum letzten Mal. Die Mischung aus Elektronik und Hymne, aus Coolness und Gefühl in der Stimme, aus Traurigkeit und Optimismus, genau diese Mischung trägt mich beim Hören fort. Ein Album für die Tanzfläche voller erwachsener Menschen, die sich in die Musik reinfallen lassen wollen.

Toller Einstieg mit „Silver Lining“, dann die Single. Spätestens bei „Illuminated“ hat der Geist abgehoben. Es wird etwas dauern, bis man die einzelnen Stücke wirklich trennscharf unterscheiden und benennen kann, zunächst fließt der Sound von einem Track zum anderen. Das macht aus den 11+1 Nummern am Ende ein Ganzes.

Es sind große Namen wie Depeche Mode, mit denen Hurts schon verglichen wurden, aber da wollen wir mal nicht anmaßend werden. Da reden wir mal in drei Alben und den ensprechenden Verkaufszahlen nochmal drüber. Aber wünschen würde ich es ihnen nach diesem Debüt auf jeden Fall!

Und hier für alle, die nicht genug davon bekommen können, das Video zur Single:

[youtube Kuwdw7KmGwA]

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Lesebefehl: „Zwischen allen Wolken“ – ein Buch wie ein Inselurlaub

Mehrere tragische Todesfälle, schräge Charaktere, eine Liebe ohne Happy-End – und doch ist „Zwischen allen Wolken“ ein wunderbares Sommerferienbuch.

100626_gantenberg_cover220Michael Gantenberg erzählt in seinem zweiten Roman die Geschichte einer Abiturientin auf einer kleinen Nordseeinsel. Da braucht man doch nicht 326 Seiten für, möchte man denken. Doch doch, wenn man so skurrile Verwandte hat wie Gesa und neben dem Abitur das Leben grad absurde Volten schlägt, dann sind 326 Seiten gerade genug.

Ihr Bruder stirbt und bleibt dennoch bei ihr, sie bekommt einen neuen Opa, Oma bekämpft als Wattfee zwischen Sand- und Mischwatt unerfüllte Kinderwünsche, Mutter entdeckt ihre mütterlichen Gefühle für eine Ente namens Jean-Pierre, Papa hält es nicht mehr aus, und Tante Nele hat ihre ganz eigene Art, auf der Ferieninsel Patienten zu aquirieren. Ein höchst unterhaltsames Gespann, das da auf Nördrum sein Dasein zwischen Strandkörben und Rührei zum Frühstück fristet. Und doch weit entfernt von Figuren-Holzschnitt à la Ohnsorg-Theater.

Mit welcher emotionalen Wärme, Liebe zum Detail  und gewitzten Psychologie Gantenberg seine Figuren zeichnet: ein Lesegenuss zwischen Schmunzeln, lautem Lachen und trauriger Anteilnahme. Wie sich dieser erwachsene Autor weit jenseits der Pubertät einfühlt in die Gefühls-Zwickmühlen einer 18-jährigen, trauernden Verliebten, die mitten im Bio-Lernen-Abistress auch noch immer mehr Verantwortung für den Familienbetrieb bekommt, das beeindruckt. Dabei wird er nie gefühlsduselig oder kitschig, trifft immer den richtigen Ton.

„Zwischen allen Wolken“ von Michael Gantenberg ist im Fischer Verlag erschienen und kostet 14,95.

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Schreiben über Kochen II: Aus dem Leben einer Restaurant-Kritikerin

ruthreichl200„Der König von Spanien wartet an der Bar, aber Ihr Tisch ist fertig!“ Und diesen Satz meinte der Kellner tatsächlich ernst!

Gesagt wurde er zu Ruth Reichl, der damals neuen Restaurant-Kritikerin der New York Times, die wohl wichtigste Person für die Betreiber guter Küchen – mit der Linzenz zum Vernichten. Da musste der spanische König tatsächlich noch an der Bar auf einen freien Tisch warten…

Doch wie ernst kann man Essen und Service nehmen, wenn die ganze Belegschaft genau weiß, wie wichtig der Gast ist? Müsste da nicht die Kritik eigentlich aus der Perspektive eines ganz normalen Gastes geschrieben werden, eines unerkannten Einflusslosen? Dachte sich auch Ruth Reichl, als sie schon vor Antritt ihrer Stelle in New York erfuhr, dass ihr Foto bereits hinter jedem Restauranttresen der Stadt lag. Zur Sicherheit… Schreiben über Kochen II: Aus dem Leben einer Restaurant-Kritikerin weiterlesen

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Schreiben über Kochen I: Kriegsberichte von der Küchenfront

„Kochen ist Krieg“: So hat Gregor Weber sein erstes Buch überschrieben. Ein griffiger, appetitmachender Titel, der wohl allzuoft zutrifft, wenn man Kücheninsidern glauben darf. Ein Krieg gegen die Uhr, gegen die Sonderwünsche besonders schwieriger Gäste, gegen alle Unwägbarkeiten der Zubereitung frischen Essens.

In diese Gemengelage hat sich der Schauspieler Gregor Weber gewagt (bekannt als Tatort-Kommissar aus Saarbrücken und früher als Sohn Stefan der Familie Heinz Becker) – als Lehrling. Als es grad nicht so gut lief mit der Schauspielerei, absolvierte er eine Koch-Lehre im renommierten Restaurant VAU in Berlin – bei „Lanz kocht“-Star Kolja Kleberg.

Was er da gelernt hat über das Innenleben einer Sterneküche, half ihm nun für seine Küchenreportagen. Zunächst öffnete ihm das sicher die eine oder andere Tür, als er anfragte, ob er nicht für ein paar Tage ein Praktikum machen könne. Ganz unterschiedliche Küchen ließen ihn rein: von der Fregatte Mecklenburg-Vorpommern bis zum Amtssitz des Bundespräsidenten. Schreiben über Kochen I: Kriegsberichte von der Küchenfront weiterlesen

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Ja, er kann es noch: Grisham zum 21sten

090924_grisham200Er ist immer noch der Alte – und das ist ausdrücklich als Lob gemeint: Wer geblaubt hatte, John Grisham gingen langsam die juristisch motivierten Substantive aus, der sieht sich getäuscht. Auch wenn er bei „Berufung“ jetzt zum ersten Mal ohne den bestimmten Artikel daher kommt – nach Titeln wie „Die Akte“, „Die Jury“, „Der Richter“, „Die Begnadigung“ und natürlich „Die Firma“.

Da waren viele brillante Titel bei, die ihresgleichen suchen. Ganz so genial, packend, mitreißend, hungrig machend auf den nächsten ist dieser Grisham sicher nicht. Und doch: Englisch nennt man ein Buch wie „Berufung“ wohl Pageturner – es zieht einen rein und man blättert fast wie in Trance immer weiter, bis es (leider) zu Ende ist. Das schafft er auch beim 21. von inzwischen 22 Romanen immer noch.

Worum gehts? Um den Kampf der kleinen Leute, die unter den Sauereien der Großkonzerne leiden. Brisant in Zeiten der Wirtschaftskrise. Da hat ein Chemiekonzern über Jahre das Grundwasser einer ganzen Stadt vergiftet, die leidet nun unter der höchsten Krebsquote der ganzen USA. Deswegen verklagen die Opfer den Konzern – und gewinnen. In der ersten Instanz. Das Kapital setzt auf die Berufung – und will sich dafür das Gericht kaufen. Eine ebenso einfach gestrickte wie beängstigend realistisch anmutende Story – doch man muss dem Juristen unterstellen, dass er gut recherchiert hat und weiß, wovon er schreibt. Ja, er kann es noch: Grisham zum 21sten weiterlesen

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