“Der schönste Stau der Welt”, die WDR-Reportage vom Still-Leben A40, ist jetzt auch online anguckbar.
Diesen Film hinzubekommen, war eine logistische Herausforderung für Autoren, Redakteure, Kameraleute, CutterInnen, Techniker, Kuriere und und und. Schließlich war die Haupt-Verkehrsader des Reviers dicht. Und zwischen Veranstaltungsende und Sendung lagen gerade einmal knappe fünf Stunden. Wenig Zeit für 30 Minuten Fernsehen.
20.000 Tische, 200.000 Aktive, 1 Million Besucher: Das Still-Leben auf der A40 am Sonntag, 18.07.2010, wird das größte Spektakel der Kulturhauptstadt RUHR.2010.
Damit das alles in geordneten Bahnen verläuft, haben die Organisatoren ein paar Regeln aufgestellt. Die hab ich mit 1LIVE-Moderatorin Sabine Heinrich in ihrer Sendung besprochen. Aus gutem Grund: Schließlich will Frau Heinrich in Bochum-Stahlhausen mit den Hörern auf der A40 frühstücken. Genau wie WDR2 in Dortmund-Dorstfeld, die Aktuelle Stunde im Duisburger Kreuz Kaiserberg und die drei Ruhrgebiets-Lokalzeiten in Dortmund, Essen und Duisburg.
Das Gespräch vom 16.07.2010 auf 1LIVE hier nochmal zum Anhören:
eldoradio* in Dortmund, das Campusradio, 07. Juli 2010: Ruhrreporter Björn Boch knurrt in einem Kommentar über RUHR.2010. Für ihn ist das alles Verharren im Gestern, überall Zechentürme, die Kulturhauptstadt nicht mit dem nötigen Blick in die Zukunft. Seine Meinung. Nur dass ich die so gar nicht teilen konnte.
Was bleibt von RUHR.2010, wenn 2010 vorbei ist? Fritz Pleitgen hat da eine Vision: “RUHR.2020″, ein solches Ziel sollte man sich stecken, sagte er im Interview mit der WDR-Lokalzeit aus Dortmund. Ein erneuter “großer Aufschlag in zehn Jahren”.
In der vergangenen Woche (Mitte Juni 2010) hatten Presseveröffentlichungen eine Debatte um die Zukunft der RUHR.2010 GmbH und ihres führenden Kopfes Oliver Scheytt losgetreten. Die Zeitungen der WAZ-Mediengruppe zitierten ein internes RUHR.2010-Papier, nach dem Scheytt ein “Super-Kulturdezernent” fürs Ruhrgebiet werden könnte – an der Spitze einer weitergeführten RUHR.2010 GmbH.
Fritz Pleitgen, Scheytts Mit-Geschäftsführer, erteilte solchen Plänen eine Absage. Gleichwohl müssten der Geist der Kooperation, die Bündelung der Kräfte für gemeinsame Anstrengungen erhalten bleiben. Pleitgen wandte sich klar gegen “Rosinenpickerei” einzelner Städte, die sich gut laufende Projekte einverleiben wollen.”Das wäre töricht”, so der ehemalige WDR-Intendant wörtlich.
Den – nach Pleitgens Worten – “höchst attraktiven Standort Metropole Ruhr” haben in den vergangenen Monaten schon hunderttausende Menschen erlebt. SchachtZeichen, Extraschicht, Ruhrfestspiele, Lichtkunst-Biennale und im Juli das Still-Leben auf der A40: All diese Projekte wurden gemeinsam von vielen Menschen aus dem Ruhrgebiet gestemmt. Sie haben Bilder nach außen getragen, die das Image des Ruhrgebiets verändern helfen.
Es ist die bislang spektakulärste Aktion der Kulturhauptstadt RUHR.2010: Schachtzeichen.
311 gelbe Ballone schweben über vielen (ehemaligen) Zechenschächten des Reviers. Die Menschen freuen sich daran, am Auftakt-Tag war viel los auf den aussichtsreichen Halden und zu Füßen der Ballone.
Nach Ostern wird ein U-Boot aus Duisburg auf den Baldeneysee transportiert. Ein U-Boot? Auf den Baldeneysee? Genau!
Das Teil ist eine schwimmende Insel aus Stahl, die Seebesucher im Sommer des Kulturhauptstadtjahres mit Tretbooten ansteuern sollen. Übrigens nicht die einzige: Insgesamt fünf Inseln bilden das sogenannte Ruhr-Atoll. Darunter ein chinesisches Teehaus und ein Eisberg.
Als jetzt das U-Boot auf der Meidericher Schiffswerft in Duisburg seinen ersten Wasserkontakt hatte, war ich für die Ruhrgebiets-Lokalzeiten des WDR dabei. Den Film gibts hier zu sehen.
… weil dich hier kein Schaum erschlägt. – So beginnt die neue Ruhrgebiets-Hymne, die Herbert Grönemeyer heute bei der RUHR.2010-Eröffnung in Essen vorgestellt hat. Und die – hören Sie mal genau hin – zunächst ein bisschen klingt wie “Glückauf, der Steiger kommt”.
Toller Song, Ohrwurmcharakter – auch wenn man (Herbert-typisch) nicht sofort alles versteht. Akustisch. Wer’s dann nachliest, stellt fest: Ja, auch er spielt natürlich mit den Klischees, aber künstlerisch, lyrisch, verpackt sie einfach besser als andere. Und, seien wir ehrlich, irgendwo müssen die Klischees ja herkommen, ein wahrer Kern wird schon drin sein.
Es ist ein bisschen wie “Bochum 2.0″, dieses “Komm zur Ruhr”. Eben moderner, weg vom Kirchturmdenken, hin zur Region, meinetwegen auch zur “Metropole Ruhr”.
Textvergleich im Einzelnen:
Erstmal örtliche Einführung: Aus “Tief im Westen, wo die Sonne verstaubt” wird “Wo ein rauhes Wort dich trägt”. Eins zu Null für den neuen Text. Poetischer. Und wahrer, denn die Sonne verstaubt nicht mehr, aber “Hömma, du Kackbratze”, das hört man hier immer noch. (weiterlesen…)
Stellen Sie sich vor, Sie haben einen Tag Zeit für eine kleine Entdeckungstour. Eine Tour durchs Ruhrgebiet. Das liegt grad nahe, denn “Wir sind Hauptstadt”, europäische Kulturhauptstadt. “RUHR.2010″ heißt das Ganze und wird uns bis Dezember beschäftigen.
Aber zurück zum “Stellen Sie sich vor…”: Genau das hab ich mit dem Kollegen Christian Schön im Sommer gemacht. Wir sind einfach mal nen Tag rumgefahren, haben Punkte angesteuert, haben uns treiben lassen durch die “Metropole Ruhr”. Bewusst nicht auf der Suche nach Menschen und Geschichten, sondern in diesem Fall mal nach Perspektiven, Blicken, Aussichten.