Schlagwort-Archive: John Grisham

Tops und Flops meiner Urlaubslektüre

Urlaubszeit=Lesezeit. Die hab ich für einige Bücher genutzt. Lohnende und weniger tolle. Hier gibts den knappen Überblick – als Tipps und Warnung für euren nächsten Urlaub …

Jens Westerbeck: After Show Party

Amüsante Mediensatire, über die es einen eigenen Text hier gibt.

Marcus Rafelsberger: Das Prinzip Terz

Der etwas andere deutsche Krimi. Konrad Terz, der ermittelnde Kommissar, ist sowas wie ein Professor Börne in skrupellos und verheiratet. Nicht auf den ersten Blick ein Sympathieträger, und doch hoffen wir, dass er mit allem durchkommt, was er sich so leistet. Und das ist einiges, für das man normalerweise sehr lange von der Bildfläche verschwindet. 

Das Prinzip Terz ist die Neuauflage eines schon 2004 erschienenen Krimis. Inzwischen hat Rafelsberger unter dem Pseudonym Marc Elsberg mit Blackout und Zero zwei vielbeachtete Thriller zu aktuellen Fragen unserer modernen Gesellschaft geschrieben: Stromversorgung und Vernetzung. Klingt trocken, ist aber alles andere. 

Wer sich von Commissario Brunetti manchmal noch ein bisschen mehr Unkorrektheit wünscht, der wird an Kommissar Terz seine Freude haben.

Neal Baer: Der Rätselmacher

Irrer Killer gegen brave Ärztin: Bekanntes Prinzip lesenswert verpackt. Wer Serienkiller-Krimis mag, wem am Pool in der Sonne nach Gänsehaut ist, der liegt mit diesem Buch richtig.

Martin Calsow: Quercher und der Totwald

Wunderbar! Gradliniger Kommissar ermittelt in bayerischen Adelskreisen und verwickelt sich dort auch privat. Mit viel Witz und Hintesinn geschrieben, kein Klamauk und absolut vorstellbar. Mal wieder ein Regionalkrimi, der heraussticht aus der großen Menge der Regios. 

Josh Malerman: Bird Box – Schließe deine Augen

… Und fang am besten gar nicht erst an, dieses Buch zu lesen. Angepriesen als Mischung aus Hitchcocks Die Vögel und Stephen King stellt es sich als lähmend langatmige Schilderung der Flucht einer Frau mit ihren Kindern vor einer unsichtbaren Bedrohung heraus. Unsichtbar deshalb, weil alle die Augen verbunden haben. Denn irgendwas treibt die Menschen in den Selbstmord, sobald man es ansieht. Und hat so offenbar nahezu die gesamte Menschheit umgebracht. 

Warum? Keine Ahnung! Weil es das kann? Hmm… Und was ist die Bedrohung? Erfährt man auch nicht. Außer ein paar Theorien der Opfer. Vielleicht ist es die Angst der Menschen selbst, die sie in den Wahnsinn treibt? Am Ende bleibt da alles offen. 

Die größte Enttäuschung aus diesem Stapel Urlaubslektüre.

John Grisham: Anklage

Was soll ich da groß schreiben: ein echter Grisham. Kleine Anwälte, ein übermächtiger Gegner (in diesem Fall die skrupellose Kohleindustrie), viele Infos über Zusammenhänge und Prozesse … die Zutaten eines spannenden Gerichtskrimis sind alle da. 

Ich mag das ja. John Grisham ist mein längster Urlaubsbegleiter. Ich hab mit seinen ersten Büchern vor vielen Jahren in Dänemark im Familienurlaub unterm Baum gesessen. Ein verlässlicher Begleiter, dieser John Grisham.

Und doch ist Anklage anders: Wenn es nämlich ans Eingemachte geht, wenn jetzt mal jemand wirklich klagen könnte, ist das Buch zuende. Stattdessen ist es eine Anklage gegen die profitgierige, umweltzerstörende Kohleindustrie, die in den Appalachen Menschen und Natur zerstört. Insofern doch eher ein ungewöhnlicher Grisham, aber ein wichtiger.

 

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Ein Krimi wie ein guter Grisham

Als ich den Titel dieses Krimis gelesen habe, dachte ich: “Na super, wenn das Buch schon ‘Der Schuldige’ heißt, wie soll denn da noch Spannung aufkommen?!”

Aaaber: So klar, wie es scheint, ist das alles gar nicht. Der – angebliche – Schuldige vom Buchtitel ist ein elfjähriger Junge, der seinen achtjährigen Kumpel erschlagen haben soll. Aber der Reihe nach – ich hab das für WDR 2 mal in drei Minuten zusammengefasst:

Story

Der achtjährige Ben liegt auf einem Spielplatz in London. Tot. Brutal erschlagen. Schnell gerät sein Kumpel Sebastian unter Verdacht, elf Jahre alt und einer, der jüngere Kinder gerne piesackt und quält. Ein Krimi wie ein guter Grisham weiterlesen

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Ja, er kann es noch: Grisham zum 21sten

090924_grisham200Er ist immer noch der Alte – und das ist ausdrücklich als Lob gemeint: Wer geblaubt hatte, John Grisham gingen langsam die juristisch motivierten Substantive aus, der sieht sich getäuscht. Auch wenn er bei „Berufung“ jetzt zum ersten Mal ohne den bestimmten Artikel daher kommt – nach Titeln wie „Die Akte“, „Die Jury“, „Der Richter“, „Die Begnadigung“ und natürlich „Die Firma“.

Da waren viele brillante Titel bei, die ihresgleichen suchen. Ganz so genial, packend, mitreißend, hungrig machend auf den nächsten ist dieser Grisham sicher nicht. Und doch: Englisch nennt man ein Buch wie „Berufung“ wohl Pageturner – es zieht einen rein und man blättert fast wie in Trance immer weiter, bis es (leider) zu Ende ist. Das schafft er auch beim 21. von inzwischen 22 Romanen immer noch.

Worum gehts? Um den Kampf der kleinen Leute, die unter den Sauereien der Großkonzerne leiden. Brisant in Zeiten der Wirtschaftskrise. Da hat ein Chemiekonzern über Jahre das Grundwasser einer ganzen Stadt vergiftet, die leidet nun unter der höchsten Krebsquote der ganzen USA. Deswegen verklagen die Opfer den Konzern – und gewinnen. In der ersten Instanz. Das Kapital setzt auf die Berufung – und will sich dafür das Gericht kaufen. Eine ebenso einfach gestrickte wie beängstigend realistisch anmutende Story – doch man muss dem Juristen unterstellen, dass er gut recherchiert hat und weiß, wovon er schreibt. Ja, er kann es noch: Grisham zum 21sten weiterlesen

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