ESC 2011: Die Teilnehmer im ChancenCheck

Wer gewinnt am 14. Mai in Düsseldorf den Eurovision Song Contest? Und wird damit Nachfolger von „unserer“ Lena? Alle Teilnehmer jetzt hier im kurzen ChancenCheck – und alle Videos gibts auf der offiziellen Homepage des ESC beim NDR.

Zusammengefasst: Island, Aserbaidschan, Finnland, Slowakei, Weißrussland, Dänemark, Großbritannien und, ja, auch Deutschland werden um die vorderen Plätze kämpfen. Glaube ich.

Was die englischen Buchmacher von den Songs halten – bzw. welche Wetten bei ihnen eingegangen sind, gibt es z.B. bei NicerOdds und OddChecker nachzulesen.

Und hier nun im Einzelnen:

Das erste Halbfinale:

POLEN | Magdalena Tul _ Jestem

Klingt wie tausendmal gehört. Ein Rhythmus, eine Idee, nix Besonderes.

NORWEGEN | Stella Mwangi _ Haba Haba

Waka Waka: ein Sommerhit 2010. Haba Haba schlägt in genau diese Kerbe. Das hat Punkte-Potenzial. Und tanzbar isses auch.

ALBANIEN | Aurela Gaçe _ Feel The Passion

Wer charmant osteuropäisch angehauchtes Englisch toll findet, sollte für diesen Song voten. Die Dame wäre wohl gerne Grace Jones – scheitert aber schon am Stimmvolumen. Scheitert im Halbfinale.

ARMENIEN | Emmy _ Boom Boom

„Boom Boom. Chaka Chaka.“ Also textlich zu anspruchsvoll ist die Nummer schonmal nicht. Tanzbare Massenware, die kein Gefühl transportiert.

TÜRKEI | Yüksek Sadakat _ Live It Up

Der Graf von Unheilig singt nen schnörkellosen Rocksong. Ganz geradeaus. Okay, der Sänger ist wohl doch ein anderer, aber der Titel geht nach vorne. Vermutlich auch in den Platzierungen.

SERBIEN | Nina _ Caroban

70er-Jahre-Optik und ein in Landessprache gesungener Song, der auch in genau die Zeit gepasst hätte. Richtig hängen bleibt der nicht, verlangt aber auch nicht sofort nach „Daumen runter“. Je nach Tagesform landet der irgendwo im vorderen Mittelfeld.

RUSSLAND | Alexey Vorobyov _ Get You

Russendisco von Lady Gagas Hauskomponisten. Geht zwar nicht ins Herz, aber in die Beine.

SCHWEIZ | Anna Rossinelli _ In Love For A While

Ein nettes Liedchen, eine süße Ballade, Lalalala, Nananana … Klingt alles nicht so richtig begeistert? Ganz genau!

GEORGIEN | Eldrine _ One More Day

Die ersten Takte erinnern an „I promised myself“ und „In the shadows“. Es folgt Rocknummer 2 in dieser Liste. Die aber wesentlich unglaubwürdiger rüberkommt als der Beitrag aus der Türkei – auch wenn die Rap-Einlage zwischendurch schon wieder was hat. Sehr modern.

FINNLAND | Paradise Oskar _ Da Da Dam

Leicht mopsiger Junge mit Gitarre singt offenbar ein Lied zur Rettung unseres Planeten. Lalala. In seiner Schlichtheit schon wieder schön. Einer meiner Favoriten.

MALTA | Glen Vella _ One Life

Die Diskobeats machen aus der Nummer auch keinen Kracher. Utz-utz-utz…

SAN MARINO | Senit _ Stand By

Eine Ballade. Zwischen Amy Grant und DSDS. Das reicht nicht.

KROATIEN | Daria _ Celebrate

Windmaschinenalarm. Dazu alle Arm- und Handgesten, die man im Kurs „Bewegen auf der Gesangsbühne für Anfänger“ lernt. Mehr ist zu diesem Popnümmerchen nicht zu sagen.

ISLAND | Sjonni’s Friends _ Coming Home

Hehe. *lach* Hat was von Take That mit folkloristischen Anklängen. Gute Stimmen. Gute Stimmung.

UNGARN | Kati Wolf _ What About My Dreams

Ach? Eva Hermann singt jetzt? … Eine sehr moderne, dramatische Ballade. Schon bald in Ihrem Radio.

PORTUGAL | Homens da Luta _ Luta É Alegría

Eine Mischung aus Kelly Family, Popolskis und Village People. Mit nem Double von Helge Schneider als Frontmann. Wirkt wie aus einem Arbeiter-Musical. Scheitert trotz (oder gerade wegen) aller Originalität vermutlich im Halbfinale.

LITAUEN | Evelina Sašenko _ C’est Ma Vie

http://www.youtube.com/watch?v=aazruGl2jY

Also spätestens bei dem Song würd ich mir zuhause noch was zu trinken holen und nen Bütterchen schmieren. Soll großes Gefühl sein, is aber Langeweile pur.

ASERBAIDSCHAN | Ell/Nikki _ Running Scared

Die Favoriten der britischen Buchmacher. Der Titel geht sofort in Ohr und Bauch. Absolut radiotauglich ist die Nummer außerdem. Heiß.

GRIECHENLAND | Loucas Yiorkas feat. Stereo Mike _ Watch My Dance

Hip Hop trifft griechische Folklore. Spannend. Doch irgendwie besteht der Song nur aus mehrfachem Vorspiel, steuert auf keinen Höhepunkt zu.

Das zweite Halbfinale:

BOSNIEN-HERZEGOWINA | Dino Merlin _ Love In Rewind

Eine bisschen peinliche Mischung aus Roger Witthaker und Reinhard Mey mit einer dermaßen übertrieben doofen Performance, dass man das echt nicht ernst nehmen kann. Dagegen bewegen sich die Holzköpfe bei der Augsburger Puppenkiste natürlich und flüssig. Und das Lied? Geht angesichts der Albernheiten auf der Bühne völlig unter. Nicht finalwürdig.

ÖSTERREICH | Nadine Beiler _ The Secret Is Love

Eine Ballade, so gesungen, als dächte die Interpretin manchmal, sie sei Whitney Houston. Die die Frisur von Mireille Matthieu aufträgt.

NIEDERLANDE | 3Js _ Never Alone

Ein blitzsauberer Popsong, der auf jeder Radiowelle locker 3 Minuten gut füllt. Bleibt direkt im Ohr, die Beine wippen noch nach. Und doch irgendwie nur plätschernd.

BELGIEN | Witloof Bay _ With Love Baby

Super Idee: A capella und Swing. Musikalisch toller Song. Leider ein so dermaßen simpel doofer Text, dass es dafür Punktabzug gibt. Würd mir trotzdem wünschen, dass es hierfür viele Punkte gibt. Auf jeden Fall keine Nummer, die in der Masse untergeht.

SLOWAKEI | TWiiNS _ I’m Still Alive

Wow! Kleider und Haare der beiden Sängerinnen eignen sich hervorragend für die ESC-Windmaschinen. Und den Song hätten die No Angels auch nicht besser singen können. Eine R’n’B-Ballade. Fluffig.

UKRAINE | Mika Newton _ Angel

Also die schreit mir jetzt zu viel gegen die Windmaschine an. Mal ganz subjektiv: Gefällt mir nicht.

MOLDAU | Zdob și Zdub _ So Lucky

Aus der Abteilung „Gib ihm mit Gebrüll!“ kommt diese Hardrock-Nummer. Man weiß nicht, wie ESC-Europa an dem Abend drauf ist, vielleicht sind Jury und Anrufer hinreichend aggressiv für so ein Lied. Ich hoff’s ja nicht…

SCHWEDEN | Eric Saade _ Popular

Eingängiger Popsong, den man schon nach einer Minute Hören mitsingt und -wippt. Der einem aber nach dreimal Hören vermutlich auch auf die Nerven geht. Kommt ins Finale, aber landet unter Ferner-liefen. Außerdem kneift den Sänger offenbar die Hose im Schritt.

ZYPERN | Christos Mylordos _ San Aggelos S’Agapisa

Also bei den ersten Klängen ist schon klar: Griechenland oder Zypern. Typische Klänge in dieser Ballade. Wird aber wohl nur die Zypern kulturell nahestehenden Ländern begeistern. International rutscht das durch.

BULGARIEN | Poli Genova _ Na Inat

Hey hey, bei Kurzhaarfrisuren geht die Windmaschine auch! Trotzdem ein Halbfinal-Versenker, von dem nix hängenbleibt.

MAZEDONIEN | Vlatko Ilievski _ Rusinka

Typische Grand-Prix-Ost-Folklore. ESC-Dutzendware ohne Wiedererkennungswert.

ISRAEL | Dana International _ Ding Dong

Wie Lena, nur ein paar Jahre nach ihrem Sieg. Dana probierts nochmal. Mit einem Song, der in seiner Einfachheit im Ohr bleibt. Aber ob das reicht?

SLOWENIEN | Maja Keuc _ No One

Eine leicht folkloristisch angehauchte Ballade – leider hab ich kein Wort verstanden. Aber ne schöne Stimme hat sie.

RUMÄNIEN | Hotel FM _ Change

Ist das gut, wenn man den Refrain beim ersten Hören direkt mitsingen will? Auf jeden Fall Finale.

ESTLAND | Getter Jaani _ Rockefeller Street

Was klimpert denn da für ne Spieluhr im Hintergrund? Und dann wirds Utz-utz… Nöö, also mit der Kirmesnummer dürfen die mal brav im Halbfinale scheitern.

WEISSRUSSLAND | Anastasiya Vinnikova _ I Love Belarus

Klingt wie „Ra-Ra-Rasputin“. Haben die Weißrussen den Guttenberg gemacht und abgeschrieben? Punktabzug wegen Ideenlosigkeit. Ansonsten ne super Nummer für die Weißrussendisko.

LETTLAND | Musiqq _ Angel in Disguise

Eine sehr simple Dance-Europop-Nummer. Mehr nicht. Und unbeholfen wirken die beiden Sänger auch noch. Aber längst nicht so charmant wie Lena letztes Jahr.

DÄNEMARK | A friend in London _ New Tomorrow

Inhaltlich ein bisschen Frieden, musikalisch Formatradio-Pop mit Schunkel-Faktor. Und Fangesänge im Hintergrund. Das wird für Stimmung in der Halle sorgen, die ja eigentlich ein Stadion ist.

IRLAND | Jedward _ Lipstick

Konsequent Dance. Utz-utz-tanzbar, die Nummer wird die Arena rocken. Ob sie auch die Herzen der Europäer bewegen wird, steht auf einem anderen Blatt. Aber schlecht ist die nicht.

Schon im Finale:

FRANKREICH | Amaury Vassili _ Sognu

Die ESC- ist keine Opernbühne…Da nützt es auch nix, dass Herr Jungtenor sich die mittellangen Haare frech ins Gesicht fallen lässt. Das Auge hört zwar mit, aber es kann die Ohren nicht komplett darüber hinwegtäuschen, dass die Nummer für den Song Contest unpassend ist.

ITALIEN | Raphael Gualazzi _ Madness Of Love

Ein bisschen Swing und Jazz. Zweifellos schön anzuhören. Interessant arrangiert. Absolut keine 08/15-Ware. Für den Song Contest aber leider zu schräg, fürchte ich.

GROSSBRITANNIEN | Blue _ I can

Einer der bekanntesten Namen dieses Jahr beim ESC. Blue wollen an alte Erfolge anknüpfen. „I can“ hat als Popsong für eine erwachsen gewordene Boygroup das Potenzial dazu. Einmal gehört, im Ohr dringeblieben. Damit wird GB dieses Jahr mal nicht Letzter.

DEUTSCHLAND | Lena _ Taken By A Stranger

Ich finds auch doof, dass Lena nochmal antritt. Das vorweg. Denn der Charme der Unbekümmerten, der 2010 Europa verzaubert hat, ist weg. Doch „Taken by a stranger“ war die beste Nummer, die sie aus den zur Verfügung stehenden auswählen konnte. Überraschend, modern, geheimnisvoll. Selbst wenn sie hintenraus ein bisschen plätscherig wird und den echten Höhepunkt vermissen lässt. Also: Verstecken müssen wir uns damit nicht, aber nen Sieg gibts auch nicht nochmal.

SPANIEN | Lucia Perez _ Que Me Quiten Lo Bailao

Der erste Sommerhit des Jahres. Bunte Kostüme, viele Federn, Grillduft und Meeresbrise: nicht die schlechtesten Assoziationen, die ein Song auslösen kann. Ob die Völker der ESC-Welt aber am 14. Mai schon in Sommerstimmung sind?

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2 Gedanken zu „ESC 2011: Die Teilnehmer im ChancenCheck“

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