Kriminelle Literaturszene frei nach Fitzgerald

John Grisham hat wieder einen rausgehauen: „Das Original“. Grisham ist inzwischen so etwas wie ein moderner Klassiker der Spannungsliteratur geworden. Und er hat sich in seinem neuen Krimi einem alten Kollegen gewidmet: F. Scott Fitzgerald.

Dessen Werke werden in einem ziemlich spektakulären Coup gestohlen. Und zwar die Manuskripte, die Originale von fünf Fitzgerald-Büchern, unter anderem vom „Letzten Taikun“ und vom „Großen Gatsby“.

Die Gangster sind echte Typen

Schwierig natürlich, solche Millionenwerte wirklich zu Geld zu machen, denn jeder weiß, dass sie gestohlen sind. Und genau darum geht’s in diesem Krimi: Um den Versuch, die Manuskripte zu verkaufen, und um die Jagd der Versicherung, die genau das verhindern will. Das FBI und die Suche nach den Tätern spielt gar nicht eine so große Rolle. Wir lernen stattdessen die Gangster besser kennen. Echte Typen. Und auch die Menschen, die sich rund um den mutmaßlichen Hehler bewegen, interessieren mich als Leser wirklich. Mit ihren Geschichten, ihren Leiden, ihren Leidenschaften. Wir tauchen ein in die Literaturszene von Camino Island, einer (fiktiven) Insel vor der Küste Floridas.

Grisham seziert den Literaturbetrieb

Deswegen übrigens heißt „Das Original“ im Original auch „Camino Island“. Dort spielt das Buch nämlich weitgehend. Rund um eine große Buchhandlung und ihren Besitzer tummeln sich erfolglose Schriftsteller, anspruchsvolle Literaten, eine Jungautorin mit Schreibblockade und extrem erfolgreiche Schundroman-Schreiberinnen. Wie die aufeinandertreffen, sich gegenseitig hochnehmen und den Literaturbetrieb auseinandernehmen, das ist sehr unterhaltsam. Vermutlich hatte der alte Literaturhase Grisham da für jede Figur konkrete Leute vor Augen, denen er schon begegnet ist.

Ungewohnt leise und entspannend

„Das Original“ ist untypisch, ein leiser Grisham. Ich hab ihn im Sommerurlaub gelesen. Und das Buch war tatsächlich entspannend, was für einen Krimi ja vielleicht gar nicht so gut ist. Aber viele Passagen schlendern so dahin, wir erfahren viel über das Leben und den Alltag der Personen. Wie sie wurden, was sie sind. Wie sie sich ihr Leben zwischen alten Büchern und schönen Möbeln aus der Provence auf einer Insel in Florida eingerichtet haben. Grisham schafft es tatsächlich, dass mir nichts fehlt. Und spannend ist es trotzdem.

Die Spannung macht vor allem die Jungautorin mit Schreibblockade aus. Denn sie wird zur Detektivin, soll den Manuskripten auf die Spur kommen und den mutmaßlichen Hehler in seiner Buchhandlung ausspionieren. Da hat sie als Autorin natürlich die perfekte Tarnung.

Mit Anekdoten über Fitzgerald und Hemingway

Viele von Grishams Anwalts-Krimis waren wie Grundkurse in amerikanischer Justiz. Hier nun lernen wir einiges über den Literaturbetrieb. Anekdoten über Fitzgerald und Hemingway. Und was Erstausgaben oder seltene Handschriften so wertvoll macht. In einer wirklich liebevoll erzählten Geschichte mit sogar ein bisschen Romantik.

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