Leere wird beeindruckend in Worte gefasst

Um die kleinen und großen Geheimnisse der Nachbarn geht es in “The Couple next door” von Shari Lapena. Die Nachbarn hier, die sind sogar befreundet, besuchen sich, feiern zusammen. Und stellen doch fest, dass sie die anderen kaum kennen.

Das Buch ist überzeugend, weil er mich ganz nah ranlässt an ein Paar in einer Ausnahmesituation. An ihre Ängste, Diskussionen und Verzweiflung. Das ist wie Mäuschen spielen unterm Küchentisch. Und das in einer Situation, die für mich als Leser spannend ist, für die beiden aber der blanke Horror: Ihr Baby ist weg. Aus dem Kinderbett verschwunden.

Sie haben ihr Baby alleine gelassen

Und das haben die Anne und Marco nicht mitbekommen. Die jungen Eltern waren nämlich bei den Nachbarn – also beim couple next door. Geburtstag feiern. Eigentlich sollte die Babysitterin aufpassen, die war kurzfristig krank geworden. Also haben sie das Babyphone mit rüber genommen und sind abwechselnd auch alle halbe Stunde rüber, um nach der Kleinen zu gucken.

Ist sie entführt worden? Das bleibt lange unklar. Es finden sich nämlich keine Einbruchsspuren, und die Eltern warten und warten, dass mal einer Lösegeld fordert. Denn dann weiß man ja, woran man ist. Der ermittelnde Kommissar hat auch die Eltern im Verdacht, dass sie das Kind womöglich umgebracht haben und dann haben verschwinden lassen.

Geheimnisse werden nach und nach enthüllt

Der Kommissar spielt übrigens nur eine Nebenrolle, weil wir die meiste Zeit bei dem Paar sind. Den Eltern. Wie sie mit ihrer Angst umgehen, sich selbst und gegenseitig Vorwürfe machen. Wie sie auch an sich selbst und am Partner zu zweifeln beginnen. Eigentlich sollten die sich ja gegenseitig stützen. Aber wenn dann unter diesem Druck Geheimnisse rauskommen, die der Partner vor dir verborgen hat? Vielleicht gar nicht aus böser Absicht, sondern um dich zu schützen? Diese Lügen, die sind wie russische Matroschkas, diese Puppen: Haste eine enthüllt, kommt die nächste zum Vorschein.

Leere wird beeindruckend in Worte gefasst

Besonders beeindruckend dabei, wie die Autorin es schafft, diese Leere der ersten Stunden in Worte zu fassen. Diese Leere für mich greifbar und fühlbar zu machen. Wenn die Eltern nichts wissen, nur warten und spekulieren und sich selbst nicht mehr trauen. Das ist echt beklemmend. Das ist auch keine aufgeschriebene Paartherapie. Denn irgendwann sind diese ersten Stunden vorbei. Und auch die Menschen im Umfeld, die Nachbarn, die schwerreichen Schwiegereltern, sind für Überraschungen gut.

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