In den Untiefen der menschlichen Seele

In diesem Krimi tun sich Abgründe auf: Er spielt nämlich in den Untiefen der menschlichen Seele. Und im Keller. “Drei Meter unter Null” kommt von Marina Heib. Und erzählt von einer Frau, die sich irgendwann entschieden hat: “ich werde Mörderin.”

Dabei wollte sie eigentlich Pippi Langstrumpf sein. Das ist die Ausgangslage von “Drei Meter unter Null”. Und sie schlägt wirklich zu. Die macht keinen Spaß. Sie hat eine Liste mit Opfern, die sie abarbeiten will. Männer, die verstreut über Deutschland ihre Leben führen. Als erfolgreiche Geschäftsleute, betrügerische Ehemänner oder umherziehende Obdachlose. Da ist also erstmal kein Muster erkennbar. Sie alle werden sehr geplant, sehr brutal und sehr individuell umgebracht. Und ich frag mich: Warum?

Nur soviel: Die Frau hat ihre Gründe. Sehr persönliche. Wir vermuten schnell, dass die in dieser sehr behüteten Kindheit liegen könnten, an die sich immer wieder erinnert. Daher müssen diese Dämonen kommen, die sie bekämpft, wenn sie ihr Menschsein hinter sich lässt und – wie sie selbst sagt – zum Tier wird. Zur Wölfin.

Sie entscheidet sich: “Ich werde Mörderin”

Interessant: Wir erfahren gar nicht so genau, wer “sie” ist. Sie hat tatsächlich keinen Namen. Sie ist eine junge Frau, die erfolgreich in einer Softwarefirma gearbeitet hat, sich jetzt aber ganz ihrer mörderischen Mission widmet. Da will ich als Leser einerseits wissen “Warum tut sie das?”. Und als ich darüber mehr erfahre, ertappe ich mich dabei, wie ich Sympathie empfinde. Für eine Mörderin. Rein menschlich möchte ich sie verstehen. Zivilisatorisch aufgeklärt weiß ich, dass ich das nicht darf.

Ungefiltert und auf den Punkt

Lesenswert macht dieses Buch inhaltlich, dass es genau diesen Zwiespalt in mir entstehen lässt. Stilistisch begeistert die tolle Schreibe der Autorin, die mich von der ersten Seite an packt. Das ist alles sehr knapp, sehr reduziert. Die Gedanken der Hauptfigur sind ungefiltert drastisch aufgeschrieben. Das ist nicht auf den Punkt, das ist mitten in die Fresse… Und wirkt dabei nicht billig. Im Gegenteil: Die Sprache ist dabei fast poetisch, nie plump, nie simpel.

Marina Heib, die Autorin, ist Journalistin, hat Philosophie studiert. Und das merkt man beim Lesen auch. “Drei Meter unter Null” wird nicht so sehr durch eine Krimihandlung vorangetrieben. Sondern lebt aus der Hauptfigur heraus. Das ist ein Buch darüber, wie das Böse dich von innen auffrisst: Erst nimmt es dir deine Träume, deine Fähigkeit zu lieben, schließlich macht es dich zum Tier. Und es gibt keinen Weg zurück … Oder doch?

Spannende Feierabendlektüre

Sehr fluffig zu lesen. Das überfordert mich auch nachmittags in der Bahn nach Hause nicht, ich bin sofort wieder drin, auch für zehn Minuten zwischen zwei Bahnhöfen. Spannende Feierabendlektüre – nicht nur für die U-Bahn.

Marina Heib
Drei Meter unter Null
Verlag: Heyne
ISBN: 978-3453271111
Preis: 19,99 €

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