Castingshow für Mordopfer

„Anonym“ ist der zweite Krimi von Ursula Poznanski und Arno Strobel. Ein Buch, das mich richtig begeistert hat. Warum, das hab ich auf WDR 2 erzählt.

„Anonym“ ist ungewöhnlich konstruiert. Nicht vorhersehbar. Und erzählt keine Geschichte, die wir schon zigmal gelesen haben, wenn wir Krimis mögen.

Castingshow für Mordopfer

Die Geschichte knapp zusammengefasst: Ein Serienkiller lässt im Internet darüber abstimmen, wer sein nächstes Opfer wird. Und zeigt den widerlichen Mord dann im Netz. Die Morde passieren in Hamburg, versetzen die Stadt in Angst und Schrecken. Das Drumherum spielt sich im Darknet ab, also in dem dunklen Teil des Internets, in dem du wirklich anonym sein kannst, sehr einfach Waffen und Drogen und was weiß ich nicht alles kaufen kannst. Und diesen Schutz der Anonymität, den treibt der Killer mit seiner Castingshow für Mordopfer auf die Spitze.

Hunderttausende machen mit

Hier in dieser Buchfiktion machen Zigtausende mit, Hunderttausende. Der Querschnitt der Gesellschaft stimmt da mit ab. Die Autoren haben einfach mal das weitergedacht, was wir heute ja ganz real als Hass und Gewaltaufrufe und Enthemmung im Netz erleben. In den sozialen Netzwerken. Und sie fragen damit natürlich auch: Würden wir wirklich haltmachen, wenn man uns eine Auswahl von Menschen präsentieren würde, die vermeintlich schlimme Sachen gemacht haben und über die wir jetzt den Daumen heben oder senken können? Eine gruselige Vorstellung, aber würde es uns noch wirklich wundern, wenn es das tatsächlich gäbe?

Bei den Polizisten ist es kompliziert

Irgendjemand muss diesen Irren stoppen, hier sind da Daniel Buchholz und Nina Salomon – zwei neue Kollegen. Ein bisschen wie Thiel und Börne im Münster-Tatort. Nur dass die beiden hier vermutlich auch gerne miteinander schlafen würden. Sich aber doof finden. Irgendwie. Im Netz würde man sagen: „Es ist kompliziert.“

Trotz des harten Killers geht es hier nicht immer bierernst zu. Das ist mit sehr leichter Hand geschrieben. Augenzwinkernd, aber nie schenkelklopfend. Die Autoren nehmen ihre Figuren immer ernst, das Buch bleibt immer Krimi, wird nie Klamauk oder Komödie. Und weil dann auch noch Wendungen eingebaut werden, die ich echt nicht kommen sehe, war das großes Lesevergnügen.

Und dann bauen sie auch noch den deutschen Donald Trump ein – aber das sollte einfach jeder selber lesen…

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