Nie wieder sollst du lügen

Eine Warnung steht über diesem Krimitipp: “Nie wieder sollst du lügen”. So heißt er. Von Lena Avanzini. Da wird viel gelogen.Ungelogen aber alles, was ich darüber auf WDR 2 erzählt habe.

In diesem Buch haben Lügen keine kurzen Beine. Damit wären die Opfer noch gut bedient. Wir reden hier eher über tödlich verlaufende Autounfälle und abgetrennte Körperteile. Wer sowas tut, das gilt es herauszufinden. Vorher muss aber erstmal klar sein, ob die Ereignisse – eben zum Beispiel zwei tödliche Autounfälle – überhaupt was miteinander zu tun haben. Und ob da jemand anderer als das Schicksal seine Finger im Spiel hatte.

Carla Bukowski: Kommissarin mit Trauma und Instinkt

Im guten Krimi erwarten wir inzwischen ja fast automatisch einen patenten Kommissar mit irgendeiner liebenswerten Macke, der alles zusammenkombiniert. In diesem Fall ist es eine Kommissarin. Carla Bukowski. Ihre Macke ist eher ein Trauma. Und zwar ein ausgewachsenes. Das lässt sie gleich zu Beginn des Buches bei einer Ermittlung ziemlich ausrasten. Da wird auch ihrem Chef klar, dass sie dringend eine Auszeit braucht. Er schickt sie in Sonderurlaub. Dummerweise geht ihr Instinkt nicht mit in Urlaub, sondern macht Überstunden. Und der sagt ihr eben: “Diese zwei tödlichen Auto-Unfälle, von denen du in den Polizeiberichten gelesen hast, die können kein Zufall sein.” Und damit ist der Rahmen für Frau Kommissarin gesetzt: Sie ermittelt heimlich aus dem Urlaub heraus.

Was nicht gut ist für ihr Trauma. Deswegen zieht es sich auch durchs ganze Buch, wie Carla Bukowski immer wieder an sich zweifelt, von ihren Ängsten übermannt wird, aufgeben will und es dann doch nicht tut. Und immer wieder versuchen muss, unterm Radar der Kollegen zu bleiben mit ihren Ermittlungen. Ich sag mal: Wer den Dortmunder Tatort-Kommissar Faber mag, der kommt auch mit Bukowski klar.

Schuld und Sühne rund um Wien

Ohne zu viel zu verraten: Lügen spielen in diesem Buch eine zentrale Rolle. Erstmal wird Carla auf der Suche nach den Zusammenhängen immer wieder angelogen. Von Leuten, die darin ziemlich gut sind, weil sie jahrelanges Training haben. Entsprechend mühsam kommt sie den Hintergründen auf die Spur. Hat aber den Verdacht, dass eine noch viel größere Lüge irgendwo in der Vergangenheit der Opfer die Geschehnisse der Gegenwart ausgelöst haben könnte. Zusammengefasst: Es geht um Verschwörung und Rache, um Schuld und Sühne. Das Ganze übrigens angesiedelt in Österreich, in Wien und Umgebung. Aber der Krimi kommt dabei so ganz ohne Schmäh, Prater und Caféhäuser aus. Sehr angenehm.

Lena Avanzini: Preisgekrönte Autorin, die gar nicht so heißt

Autorin Lena Avanzini ist Musikerin und Musiklehrerin aus Tirol. Wenn sie nicht musiziert, schreibt sie Krimis. Wie sie selbst sagt “gerne mit drei bis sieben Leichen”. Die schafft sie hier auch wieder. Für ihren ersten Krimi, 2012, hat sie auch mal gleich einen Preis bekommen, den Friedrich-Glauser-Preis. “Lena Avanzini” übrigens ist nicht ihr echter Name, sondern ein Pseudonym. Im Ausweis steht “Marie Tappeiner”.

Dieses Buch ist bemerkenswert, weil es es wenig vorhersehbar ist. Und in Details immer wieder überrascht. Ich sehe, dass die Autorin einen schrägen Humor hat, auch mal abseitig denkt. Zum Beispiel der Job einer zentralen Figur: freie Autorin, Texterin. Das ist noch normal. Ihr aktueller Auftrag aber: Sie soll sich negative Glückkekstexte ausdenken. Also Unglückskekstexte. Ein Beispiel: “Der Weg zur Hölle ist mit den Ratschlägen guter Freunde gepflastert.”

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