Archiv für die Kategorie ‘Passiv’

Tut gar nicht weh: Hurts

Montag, 30. August 2010

100830_hurtsEndlich ist es da, das Debütalbum von “Hurts”. Ja genau, von den beiden Herren aus Manchester, deren “Wonderful life” gerade immer genau dann läuft, wenn ich das Radio einschalte (wobei der Sender fast egal ist, bis auf die Schlager-, Wort- und Klassikwellen spielen ihn alle.) Hurts also jetzt mit nem ganzen Album. “Happiness” heißt es. Und ja, genau die erzeugt es beim Hören.

Während dieser Text entsteht, schallt es zum ersten Mal aus meinen Boxen, und garantiert nicht zum letzten Mal. Die Mischung aus Elektronik und Hymne, aus Coolness und Gefühl in der Stimme, aus Traurigkeit und Optimismus, genau diese Mischung trägt mich beim Hören fort. Ein Album für die Tanzfläche voller erwachsener Menschen, die sich in die Musik reinfallen lassen wollen.

Toller Einstieg mit “Silver Lining”, dann die Single. Spätestens bei “Illuminated” hat der Geist abgehoben. Es wird etwas dauern, bis man die einzelnen Stücke wirklich trennscharf unterscheiden und benennen kann, zunächst fließt der Sound von einem Track zum anderen. Das macht aus den 11+1 Nummern am Ende ein Ganzes.

Es sind große Namen wie Depeche Mode, mit denen Hurts schon verglichen wurden, aber da wollen wir mal nicht anmaßend werden. Da reden wir mal in drei Alben und den ensprechenden Verkaufszahlen nochmal drüber. Aber wünschen würde ich es ihnen nach diesem Debüt auf jeden Fall!

Und hier für alle, die nicht genug davon bekommen können, das Video zur Single:

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Lesebefehl: “Zwischen allen Wolken” – ein Buch wie ein Inselurlaub

Samstag, 26. Juni 2010

Mehrere tragische Todesfälle, schräge Charaktere, eine Liebe ohne Happy-End – und doch ist “Zwischen allen Wolken” ein wunderbares Sommerferienbuch.

100626_gantenberg_cover220Michael Gantenberg erzählt in seinem zweiten Roman die Geschichte einer Abiturientin auf einer kleinen Nordseeinsel. Da braucht man doch nicht 326 Seiten für, möchte man denken. Doch doch, wenn man so skurrile Verwandte hat wie Gesa und neben dem Abitur das Leben grad absurde Volten schlägt, dann sind 326 Seiten gerade genug.

Ihr Bruder stirbt und bleibt dennoch bei ihr, sie bekommt einen neuen Opa, Oma bekämpft als Wattfee zwischen Sand- und Mischwatt unerfüllte Kinderwünsche, Mutter entdeckt ihre mütterlichen Gefühle für eine Ente namens Jean-Pierre, Papa hält es nicht mehr aus, und Tante Nele hat ihre ganz eigene Art, auf der Ferieninsel Patienten zu aquirieren. Ein höchst unterhaltsames Gespann, das da auf Nördrum sein Dasein zwischen Strandkörben und Rührei zum Frühstück fristet. Und doch weit entfernt von Figuren-Holzschnitt à la Ohnsorg-Theater.

Mit welcher emotionalen Wärme, Liebe zum Detail  und gewitzten Psychologie Gantenberg seine Figuren zeichnet: ein Lesegenuss zwischen Schmunzeln, lautem Lachen und trauriger Anteilnahme. Wie sich dieser erwachsene Autor weit jenseits der Pubertät einfühlt in die Gefühls-Zwickmühlen einer 18-jährigen, trauernden Verliebten, die mitten im Bio-Lernen-Abistress auch noch immer mehr Verantwortung für den Familienbetrieb bekommt, das beeindruckt. Dabei wird er nie gefühlsduselig oder kitschig, trifft immer den richtigen Ton.

“Zwischen allen Wolken” von Michael Gantenberg ist im Fischer Verlag erschienen und kostet 14,95.

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Ein Lena Meyer-Landrutschsieg*!

Sonntag, 30. Mai 2010

27726_398679514389_603484389_3895949_5675641_nUnglaublich! Hammer! Großartig! Leeeeeeeena! – So oder ähnlich schallte es kurz nach Mitternacht am 29./30. Mai 2010 auf allen Kanälen. Vor allem den digitalen. Facebook, Twitter, Blogs, Gästebücher: Sie waren im Eurovision-Taumel.

Nach 28 Jahren hat Deutschland also zum zweiten Mal den europäischen Gesangswettbewerb gewonnen, die weltgrößte Show ihrer Art. Mit einer Sängerin, die auf die angenehmste Art alles das modern repräsentiert, mit dem sich 1982 schon Nicole in die Herzen der Jurys und Zuschauer gesungen hat.

Wer nicht mit anderen vor dem Fernseher Party machte, tauschte sich im Netz mit anderen aus. “Lagerfeuer 2.0″ hat der Fachdienst DWDL.de das getauft. Die besten Kommentare aus den diversen Chats und Blogs habe ich hier zusammengestellt:

  • “Der walisische Zypriot (oder umgekehrt) kriegt einen Ehrenpreis für das sämigste Milchgesicht des Abends.” (Johannes Waechter bei sueddeutsche.de)
  • zum englischen Beitrag: “Rick Astley mit amputiertem Kehlkopf wäre besser.” (Facebook)
  • “Das hat wehgetan, Großbritannien. Alexander-Klaws-Double mit einer wirklich lahmen Nummer.” (bild.de)
  • Weissrussland. Ganz putzig. Für eine Diktatur.” (Marc Baumann bei sueddeutsche.de)
  • bei der Punktevergabe: “Malta: die Frau, die dafür sorgt, dass die Insel nicht abhebt.” (Facebook)
  • Lettland gibt uns 12 Punkte. Norwegen gibt uns 12. Meine Damen und Herren, wir schreiben Geschichte (ein bisschen zumindest). Wird Franz Beckenbauer nach dem Sieg einsam über die Bühne spazieren, gedankenversunken?” (Marc Baumann bei sueddeutsche.de)
  • “‘Das ist ein Titel, der gewinnen kann’ urteilt Peter Urban über Lena – bei knapp 40 Punkten Vorsprung. Urban ist vermutlich kurz vor Schnappatmung.” (Martina Koch bei sueddeutsche.de)
  • Langsam gewöhnen wir uns daran: ‘12 points go to Germany!’ Auch aus der Schweiz die volle Punktzahl.” (bild.de)
  • “Wir sind Lena!!! Jetzt müssen wir nur noch die WM gewinnen.” (Facebook)
  • Auf Wiedersehen Scorpions, Hallo Lena. Raab jubelt mit Flagge, Lena fasst es nicht. Die Frau ist 19. Jetzt: lebenslang Satellite. Fluch und Segen. Aktuell sehr viel mehr Segen. Peter Urban: ARD und Pro Sieben übertragen live wenn Lena am Flughafen landet. Gaaaanz ruhig, ARD, gaaaanz ruhig. Durchatmen.” (Marc Baumann bei sueddeutsche.de)
  • “29. Mai neuer Nationalfeiertag. 3. Oktober wird abgelöst!” (Facebook)
  • “Werft die Windmaschinen weg, packt die Flammenwerfer ein – ab heute regiert die neue Natürlichkeit!” (Johannes Waechter bei sueddeutsche.de)
  • Unglaublich! Jetzt muss Stefan Raab noch schnell bis Montagabend die Nationalmannschaft zusammenstellen und dann werden wir auch noch Weltmeister!” (Denis Schneider bei Facebook)
  • Europe: You can’t afford all this dancing. You’re in debt! Get back to work!” (@jeffjarvis bei Twitter)

*Die Formulierung aus der Überschrift stammt übrigens aus einem Tweet von @saschalobo!

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    Hochdekokrierte Hamster

    Sonntag, 16. Mai 2010

    Zwei Hamster rocken ein Filmfest: Die zwei namenlosen Helden des Kurzfilms “Die neue Waschmaschine” waren die heimlichen Stars der 68. Deutschen Filmfestspiele in Krefeld.

    Das ist das jährliche Festival der nichtkommerziellen Filmemacher hierzulande. Ein buntes Familientreffen engagierter, begeisterter und begeisterungsfähiger Filmautoren, die mit einfachsten Mitteln ambitionierte und sehenswerte Streifen abliefern.

    Der Mediengestalter Winfried Bellmann hatte mit seinem Hamster-7-Minüter im Jahr 2008 Diplom gemacht – und reüssiert damit seitdem regelmäßig auf Festivals im In- und Ausland. Unter 67 Werken aus ganz Deutschland sorgten die beiden Hamster mit ihrer Eroberung des ultimativen Laufrades (Waschmaschine) für Begeisterung bei Zuschauern und Jury. Am Ende gabs einen der sieben Filmpreise, den Sieg in der Publikumswertung und eine von fünf Weitermeldungen zum Internationalen Festival der nichtkommerziellen Filmemacher, zur UNICA.

    Winfried Bellmann (zusammen mit Doreen Schweikowski) durfte sich außerdem über den FantEx-Wanderpreis für den besten Fantasy-/Experimental-Film freuen: “Timetravel Inc. E”.

    Doch der Abräumer aus Erfurt stellte damit nicht die Leistung der anderen Filmemacher in den Schatten, die eine beeindruckende Zahl sehenswerter, emotionaler, informativer Filme aus verschiedenen Genres boten. Die anderen sechs Filmpreise vergab die Jury (Schauspielerin Dorothea Neukirchen, Fotograf Jürgen M. Wogirz und ich) an diese Filme:

    • In “Zwischen Licht und Schatten” zeichnet Fabian Gießler nach, wie sich die Demenz in die Beziehung eines Ehepaares schleicht. Sensibel und realistisch erzählt, mit feinem Humor und ohne rührselig zu werden, berührte Gießler Zuschauer und Juroren.
    • Ähnlicher Titel, ganz anderes Thema: “Lichterglanz und Feuerzauber” von Christine und Klaus Wilkerling schildert im Stil der klassischen Reportage ein abenteuerliches Ballon- und Lichterfest in Myanmar. Ganz nah dran, lassen die Autoren die Zuschauer mitfiebern und staunen. (weiterlesen…)
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    Schrille Tage im Klischee

    Donnerstag, 01. April 2010

    Ich liebe Krimis. Gedruckte wie verfilmte. Dabei dürfen die gerne aus Schweden, Dänemark, England, Venedig, Schottland sein – oder auch aus Deutschland. Doch genau bei einer Untergattung der Letztgenannten hab ich zunehmend Probleme: Warum bitte müssen Regionalkrimis immer eine Spur überdrehter, platter, klischeeiger sein als alle anderen?

    Für 1,99 € das Stück gibts bei Aldi Nord grad Regionalkrimis aus ganz Deutschland. Da hab ich mich mal wieder mit ein paar davon eingedeckt. Okay, mögen Sie sagen, wer seine Bücher beim Discounter vom Grabbeltisch kauft, sollte nicht zu viel erwarten. Aber bitte: Das sind ja alles Neuauflagen bereits vorher bei renommierten Verlagen erschienener Werke. Also erwarte ich schon ein bisschen Anspruch. (weiterlesen…)

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    Schreiben über Kochen II: Aus dem Leben einer Restaurant-Kritikerin

    Dienstag, 30. März 2010

    ruthreichl200“Der König von Spanien wartet an der Bar, aber Ihr Tisch ist fertig!” Und diesen Satz meinte der Kellner tatsächlich ernst!

    Gesagt wurde er zu Ruth Reichl, der damals neuen Restaurant-Kritikerin der New York Times, die wohl wichtigste Person für die Betreiber guter Küchen – mit der Linzenz zum Vernichten. Da musste der spanische König tatsächlich noch an der Bar auf einen freien Tisch warten…

    Doch wie ernst kann man Essen und Service nehmen, wenn die ganze Belegschaft genau weiß, wie wichtig der Gast ist? Müsste da nicht die Kritik eigentlich aus der Perspektive eines ganz normalen Gastes geschrieben werden, eines unerkannten Einflusslosen? Dachte sich auch Ruth Reichl, als sie schon vor Antritt ihrer Stelle in New York erfuhr, dass ihr Foto bereits hinter jedem Restauranttresen der Stadt lag. Zur Sicherheit… (weiterlesen…)

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    Schreiben über Kochen I: Kriegsberichte von der Küchenfront

    Sonntag, 28. März 2010

    “Kochen ist Krieg”: So hat Gregor Weber sein erstes Buch überschrieben. Ein griffiger, appetitmachender Titel, der wohl allzuoft zutrifft, wenn man Kücheninsidern glauben darf. Ein Krieg gegen die Uhr, gegen die Sonderwünsche besonders schwieriger Gäste, gegen alle Unwägbarkeiten der Zubereitung frischen Essens.

    In diese Gemengelage hat sich der Schauspieler Gregor Weber gewagt (bekannt als Tatort-Kommissar aus Saarbrücken und früher als Sohn Stefan der Familie Heinz Becker) – als Lehrling. Als es grad nicht so gut lief mit der Schauspielerei, absolvierte er eine Koch-Lehre im renommierten Restaurant VAU in Berlin – bei “Lanz kocht”-Star Kolja Kleberg.

    Was er da gelernt hat über das Innenleben einer Sterneküche, half ihm nun für seine Küchenreportagen. Zunächst öffnete ihm das sicher die eine oder andere Tür, als er anfragte, ob er nicht für ein paar Tage ein Praktikum machen könne. Ganz unterschiedliche Küchen ließen ihn rein: von der Fregatte Mecklenburg-Vorpommern bis zum Amtssitz des Bundespräsidenten. (weiterlesen…)

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    Lena gegen den Rest der Welt

    Samstag, 13. März 2010

    “Satellite” also, das ist “unser Lied für Oslo”. Über die Entscheidung wird viel diskutiert: Wäre ein anderer Song besser gewesen? Können wir mit sowas in Oslo punkten? Sooo viele Experten und Falsche-Töne-Raushörer melden sich jetzt in den Zeitungsforen zu Wort und prophezeihen Deutschland schon wieder 0 Punkte.

    Dabei brachte Stefan Raab es auf den Punkt, als er auf die Unberechenbarkeit der Contest-Zuschauer hinwies. Wer sich die Sieger der letzten Jahre anschaut, merkt ja auch, dass da verschiedenste Richtungen vertreten waren.

    Aber blicken wir nach vorn und schauen mal, wer so für die anderen Länder antritt. Denn wir waren nicht die ersten, die ihren Star für Oslo benannt haben. Zunächst aber zur Erinnerung – das hier ist unser Lied am 29. Mai 2010:

    Blicken wir zuerst auf die Führenden in der ewigen Bestenliste des Grand Prix, Irland. Die Iren schicken mit Niamh Kavanagh eine ins Rennen, die den Wettbewerb schonmal gewonnen hat, 1993 mit “In your eyes”. Das hat ja bei Johnny Logan schonmal geklappt für Irland… “It’s for you” heißt die Nummer für Oslo 2010. Und so klingt sie:

    (weiterlesen…)

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    “Wir Abnicker” – ein MdB über eigene Macht und Ohnmacht

    Donnerstag, 11. März 2010

    100310_abnicker“Wir Abnicker”: Unter diesem Titel hat der Dortmunder Bundestagsabgeordnete Marco Bülow jetzt ein Buch veröffentlicht. Ein Buch “über Macht und Ohnmacht der Volksvertreter”, so der Untertitel.

    So setzt sich Bülow z.B. mit dem Einfluss von rund 10.000 Lobbyisten auseinander, die in Ministerien und bei den 622 Abgeordneten des Bundestages mit viel Geld und Aufwand ihre Interessen durchsetzen wollen.

    In der WDR Lokalzeit aus Dortmund haben wir das Thema “Lobbyismus” mit den wichtigsten Fakten aufbereitet und Marco Bülow zum Thema befragt. In der Mediathek gibt es Film und Interview nochmal zum Anschauen.

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    Mein Star für Oslo

    Freitag, 05. März 2010

    In der WDR4-Rubrik “Auf ein Wort” habe ich mich anlässlich des Viertelfinals am 05. März mit “Unser Star für Oslo” beschäftigt. Denn für mich steht die Siegerin schon fest. Ich hab mal geguckt, was Lena Meyer-Landrut mit der bislang einzigen deutschen Siegerin gemeinsam hat:

    Sie hat Europa damals verzaubert: Dieses langhaarige, unschuldige Mädchen mit der weißen Gitarre sang sich in die Herzen der Jurys. Ein deutsches Mädchen, das sich im kalten Krieg ein bisschen Frieden wünschte – Nicole traf den Nerv. Und nun scheint sie da zu sein, Nicole 2010 – nur heißt die nicht Nicole, sondern Lena. Lena Meyer-Landrut. Noch hat sie längst nicht gewonnen, vier Konkurrenten buhlen noch mit ihr um die meisten Anrufe – und Favoritensterben ist so ein fieses Wort. Zumal die anderen auch alle singen können: Kerstin, die 1-Meter-80-Elfe mit der engelsgleichen Stimme. Jennifer, die Rock-Röhre mit viel Energie, Sharyhan Osman, die sogar selbst hörbare Songs schreiben kann. Und natürlich Christian Durstewitz, den alle Dursti nennen, manche sogar Flitzpiepe – was durchaus liebevoll gemeint ist. (weiterlesen…)

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