Das bringt der ESC 2016 – ein Radiotalk.

Der Ire raus, der Russe haut richtig auf die Sahne, Jamie Lee bleibt blass. Aber ein 17-Jähriger und eine Australierin stechen heraus.

Das und mehr hab ich auf WDR 2 mit Uwe Schulz besprochen. Hier zum Nachhören:

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Grip und N.: Wer ist der Schwede?

„Der Schwede“ von Robert Karjel ist ein Krimi mit einer sehr entschlossenen Hauptfigur: Ernst Grip, Geheimagent und königlicher Leibwächter in Schweden. Er ist auf der Suche nach der Lösung seines aktuellen Falls – und nach sich selbst.

Auf WDR 2 habe ich „Der Schwede“ als Krimitipp besprochen:

Ernst Grip ist Polizist, Geheimagent in der Leibgarde des schwedischen Königs. Dieser Job ist aber eher Nebensache, denn Grip wird dienstlich aus Stockholm in die USA geschickt. Warum, das weiß er gar nicht so genau. Und auch die Frau vom FBI, die sich um ihn kümmert, sagt erstmal nichts. Sie geht lieber koreanisch mit ihm essen. Und fliegt mit ihm noch ein paar Stunden weiter – immer noch ohne nähere Hinweise auf seinen Auftrag.

Eingeflochten in diese Handlung im „Hier und Jetzt“ erfahren wir in Rücksprüngen Details aus Grips Vergangenheit. Vor allem über verstörende Momente auf seiner Suche nach sich selbst, seinen wirklichen Wünschen und Bedürfnissen.

Wer ist denn nun „Der Schwede“?

Aber Grip ist nicht die alleinige Hauptfigur. Und auch nicht der einzige, der mit dem Buchtitel gemeint sein könnte. Wir kommen nämlich auch noch N. ein bisschen näher. Der heißt wirklich so in dem Buch. N. überlebt an Weihnachten 2004 den Tsunami in Thailand. Wir tauchen als Leser in seine Gedankenwelt ein – und die ist erstmal so wirr und undurchschaubar, wie die Gedanken eines Traumatisierten wohl sind. Was uns schnell klar wird: Der Tsunami stellt N.s Leben auf den Kopf. Macht aus ihm einen anderen, lässt ihn Dinge tun, die vorher so gar nicht zu ihm gepasst hätten.

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Die schützende Hand

Der achte Fall für Georg Dengler ist ein sauber recherchierter Krimi, der mitten aus dem echten Leben kommt: Es geht um die angebliche Mordserie des NSU-Trios Mundlos, Böhnhardt, Zschäpe. Spannend, lesenswert und erhellend.

Auf WDR 2 war dieser Beitrag ein Krimitipp.

Dieser Krimitipp kommt mitten aus dem echten Leben, mitten aus den Nachrichten. Es geht um die angebliche Mordserie des NSU-Trios Mundlos/Böhnhardt/Zschäpe.

Die beiden Uwes – Mundlos und Böhnhardt – waren in Erfurt kurz nach einem Banküberfall tot in einem ausgebrannten Wohnmobil gefunden worden. Sie hätten sich umgebracht, heißt es, und den Camper angezündet. Einer hat da so seine Zweifel. Georg Dengler ermittelt. Privatdetektiv, früher beim BKA und totaler Gerechtigkeitsfanatiker. Der bekommt anonym den Auftrag, den Tod von Mundlos und Böhnhardt im Wohnmobil in Erfurt nochmal zu überprüfen. Denn da sei was faul, es sei alles nicht so gelaufen, wie die Behörden in ihren offiziellen Versionen behaupten.

Versäumnisse und Ermittlungspannen im Fall Böhnhardt/Mundlos

“Verschwörungstheorie”, denkt Dengler. Denn erstmal erscheint ihm das alles plausibel, was Polizei und BKA veröffentlichen. Doch er schaut genauer hin und entdeckt logische Brüche, Riesenpatzer, gigantisches Behördenversagen: Der zeitliche Ablauf passt nicht. “Es kann so nicht geschehen sein, da der Zeitkorridor von 20 Sekunden zu schmal ist. Es ist nicht möglich, innerhalb von 20 Sekunden Mord, Brandstiftung und Selbstmord zu begehen.” Die Opfer wurden nicht geborgen. “Es wurde kein Notarzt gerufen. Bei der ganzen Aktion war kein Arzt dabei.” Und am unglaublichsten: Das Wohnmobil, in dem zwei offenbar tote Männer lagen, wurde nicht abgesperrt, fotografiert und gründlich untersucht. Sondern mitsamt den Leichen auf einen Abschlepp-Lkw geladen und in eine Halle beim Abschleppunternehmen gestellt. Geht man so mit einem Tatort um?

Schorlau holt seine Informationen aus den offiziellen Akten

Man sollte meinen, da hat der Herr Schorlau als Autor eine rege Phantasie. Aber leider kann man sich sowas nicht ausdenken. Das hat er alles aus realen Akten des Falles Mundlos/Böhnhardt. Das ist jetzt auch alles nicht wirklich neu, da hat es schon ARD-Dokumentationen drüber gegeben und Parlamentarische Untersuchungsausschüsse haben sich damit beschäftigt. Der Öffentlichkeit ist das alles nicht so bewusst – und Konsequenzen gabs auch noch keine. Weil immer wieder Verbindungen zu deutschen Geheimdiensten auftauchen. Zum Verfassungsschutz in Thüringen zum Beispiel, zum BND und so weiter. Und die – es sind Geheimdienste – mauern. Lassen sich nicht in die Akten gucken. Wie eng ihre Verbindungen in die ostdeutsche Neonazi-Szene waren und sind. Was sie gewusst und gesteuert haben.

An der Stelle fängt jetzt die dichterische Freiheit des Krimiautors an: Im Buch stellt sich der Fall mit seinen Drahtziehern am Ende deutlich klarer dar, als in der bundesdeutschen Wirklichkeit Ende 2015.

Sauber recherchierter, achter Fall für Georg Dengler

Wolfgang Schorlau ist nicht als Verschwörungstheoretiker bekannt, im Gegenteil. Er recherchiert sehr gründlich, dokumentiert das auch in seinen Büchern immer exakt mit Fußnoten. “Die schützende Hand” ist auch schon Georg Denglers achter Fall. In den bisherigen ging es um so brisante wie mysteriöse Geschichten wie zum Beispiel die RAF-Morde, das Oktoberfest-Attentat oder Menschenversuche der Pharmaindustrie.

Fazit: Spannend, lesenswert und erhellend.

Wolfang Schorlau
Die schützende Hand
Verlag: Kiepenheuer & Witsch
ISBN: 978-3-462-04666-3
Preis: 14,99 Euro

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Ein Buch wie ein Sturm an der See

Das Buch spielt am Meer, am Strand. Und ist doch alles andere als ein Sommerbuch. „Meine Seele so kalt“ ist der Debütroman der Britin Clare Mackintosh und hat auch mich begeistert. Auf WDR 2 habe ich es im Gespräch mit Jürgen Mayer vorgestellt.

Dieses Buch – und da bleiben wir beim Thema Meer und Strand – ist wie ein Sturm an der See. Das fängt vergleichsweise klein und leise an mit etwas Wind und dunklen Wolken, schwillt immer weiter an, man ahnt noch gar nicht die Dimensionen, irgendwann braust und tobt es um dich herum – und am Ende ist Stille. Ruhe. Aber nicht unbedingt Frieden.

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Ferien-Seriencheck: Homeland S5, Quantico

Weihnachtsferien: Zeit für ein bisschen Bis-in-die-Nacht-Seriengucken. Ich hab zwei richtig gute Sachen gesehen für Menschen, denen Jack Bauer mit 24 fehlt.

Homeland Season 5: Die beste Staffel

Mir war – und da gibt es viele, die das anders sehen – mir war die bipolare Carrie ja immer ein bisschen zu schräg bisher, zu sehr neben der Kappe. In Staffel 5 nun nimmt sie brav ihre Pillen und Ferien-Seriencheck: Homeland S5, Quantico weiterlesen

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Irrer Killer auf Europareise

Mit Krimis über Serienkiller, die ihre Opfer brutal misshandeln, kann ich eigentlich gar nix anfangen. Dafür gibts da einfach zu viele von. Aber “Zerschunden” von Michael Tsokos ist anders.

Deswegen hab ich den Thriller für WDR 2 als Krimitipp empfohlen.

Story

Ein offenbar irrer Killer reist durch Europa und bringt alte Frauen an ihren Wohnungstüren um. Scheinbar wahllos. Wertvolle Beute macht er dabei nicht. Aber er beschriftet seine Opfer. Schreibt

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Meisterwerk, zweiter Teil

„Das Kartell“ von Don Winslow. Ein Roman ganz nah an der Wirklichkeit. Thema ist der Drogenhandel in Mexiko, der Krieg der Kartelle untereinander und wie deren Geld die ganze Gesellschaft durchsetzt, ja zersetzt. Harter Stoff, den ich für WDR 2 empfehlen durfte:

Story

Es geht um den mexikanischen Drogenkrieg zwischen 2004 und 2012. Das Land ist aufgeteilt in Territorien verschiedener Gruppen, das sind die Kartelle. Da haben sie faktisch das Sagen, erpressen Meisterwerk, zweiter Teil weiterlesen

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Immer wenn sie Pillen nehmen: Der Blogger

“Der Blogger” ist unser heutiger Tipp für Sie. Ein Krimi um einen Mann, der Skandale enthüllt. Nicht als Zeitungsredakteur oder Journalist beim Radio oder Fernsehen, sondern als Einzelkämpfer im Internet.

Seine Gegner sind nicht, wie im echten Leben letztens bei netzpolitik.org, die Geheimdienste, sondern die Pharmaindustrie. Dabei stellt der Krimi von Patrick Brosi auch die Frage, wem wir eigentlich glauben können, wer von wem instrumentalisiert wird. Ich hab das Buch für WDR 2 besprochen. 

Story

Ein Blogger ist verschwunden, der dramatische Enthüllungen über einen Pharmakonzern angekündigt hatte. Ein Leiche wird im Titisee gefunden. Der Blogger? Oder wäre Immer wenn sie Pillen nehmen: Der Blogger weiterlesen

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Sei dir nicht zu sicher!

“Deadline” von Renee Knight habe ich für WDR 2 besprochen. In ihrer Heimat Großbritannien waren die Kritiker begeistert, auch die New York Times hat das Buch hymnisch gelobt.

Zurecht! Hab ich bei WDR 2 festgestellt.

Story

Catherine Ravenscroft liest ein Buch, das ihre Selbstsicherheit und ihr wohliges Mittelklasseleben mit einem Hieb in Stücke schlägt: Es erzählt von ihr vor 20 Jahren. Von einem tragischen Ereignis, das sie verdrängt und ihrer Familie nie erzählt hat. Plötzlich ist alles wieder da: Angst, Albträume, Panik. Catherines Mann Sei dir nicht zu sicher! weiterlesen

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… und die Beatles singen dazu „All you need is love“

Ein Debutroman, der es in sich hat: “Die Falle” von Melanie Raabe. Diese Falle will eine Schriftstellerin einem Mann stellen, von dem sie glaubt, er habe vor 12 Jahren ihre Schwester ermordet. Ein gefährliches Unterfangen.

Für WDR 2 habe ich diesen hervorragenden Krimi besprochen:

Story

Linda Conrads hat seit mehr als zehn Jahren ihr Haus nicht mehr verlassen. Denn sie hat Angst. Angst vor dem Mörder ihrer Schwester. Den sie jetzt unvermittelt im Fernsehen wiedererkennt. Da weiß sie: Sie muss ihn überführen, dem Mann … und die Beatles singen dazu „All you need is love“ weiterlesen

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Spannend. Sprachgewaltig. Unterhaltsam.

Dieser Krimitipp ist eigentlich ein richtig alter Hut – aber ein sehr elegante: „London undercover“ war der erste Krimi von Don Winslow. Und zwar schon 1991. Damals unter dem Titel „Ein kalter Hauch im Untergrund“. Und nicht sehr erfolgreich. Völlig zu Unrecht. Haben bei seinen nächsten Romanen dann auch die Leser erkannt und Don Winslow zu einem der erfolgreichsten Autoren der USA gemacht. Jetzt ist sein Debüt neu übersetzt worden.

Für WDR 2 habe ich den Roman besprochen. Warum man das unbedingt lesen sollte? Weil es spannend, sprachgewaltig und unterhaltsam ist. Aber der Reihe nach:

Hauptfigur

Neal Carey wird als elfjähriger Taschendieb erwischt. Von einem schmierigen, aber herzensguten Privatdetektiv, der das Talent des Jungen erkennt: Joe Graham. Der bildet Neal nicht nur Spannend. Sprachgewaltig. Unterhaltsam. weiterlesen

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Frühlings Krimi aus dem Sommerurlaub

Ein Krimi für den Urlaub, der im Urlaub spielt: Das ist “Der Kommissar in Badeshorts”. Autor ist der Frühling, Tim Frühling. Für WDR 2 habe ich unter anderem die Frage beantwortet: Wieso der Kommissar Badeshorts trägt?

Weil es für lange Hosen auf Fuerteventura einfach zu warm ist. Da treffen wir Kommissar Daniel Rohde nämlich. Auch ein Polizist hat schließlich mal Ferien. Die verbringt er in einem Club auf Fuerteventura. Hatte auf heiße Flirts und kühle Drinks in lauen Nächten gehofft – was er bekommt, sind grellgeschminkte, schrille Rentnerinnen und einen brünftigen, feisten Geldsack namens „Der schöne Lothar“. Den allerdings trifft er erst, als er schon nicht mehr so schön ist, nämlich tot.

Story um den toten “Schönen Lothar”

Eigentlich wäre die spanische Polizei für ihn zuständig, aber die Hotelleitung will kein Aufsehen: Mordermittlungen im Ferienclub, da käme ja keiner mehr. Frühlings Krimi aus dem Sommerurlaub weiterlesen

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Australien? Wieso Australien?

23. Mai 2015, Vormittag. Die Wertungskarten für die ESC-Party heute Abend sind gedruckt, da hat Kollege Schulz noch ein paar Fragen zum Song Contest.

Die hab ich ihm doch gerne beantwortet. Zu Peter Urban und Ralph Siegel und Australien und wie er heute Abend ne gute Figur macht beim Gucken mit den anderen. Hier zum Anhören:

Und hier zum Nachlesen, die großartigen Onlinefrickler von wdr2.de haben eine wunderbare Bilderstrecke draus gebastelt.

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Das Haus der tausend Augen

Überwachung mal ganz praktisch: In „Das Haus der tausend Augen“ spielt Ben Berkeley durch, was sich mit gesammelten Informationen alles anstellen lässt. Ich war in zwei Nächten durch mit dem Thriller, so hat’s mich reingezogen in die Story.

Für WDR 2 habe ich den Thriller als Krimi-Tipp besprochen:

Im Kongress der Vereinigten Staaten soll ein Gesetz zur Zügelung der Überwachungsbehörde NSA verabschiedet werden. Ein Herzensanliegen für den amtierenden Präsidenten und seinen Stab. Vor allem für den stellvertretenden Stabschef. Er hat die Mehrheit für das Gesetz organisiert – eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit in Zeiten von Terrorangst, die an Paranoia grenzt. Doch genau dieser Mann wird wenige Stunden vor der entscheidenden Abstimmung festgenommen. Er soll eine Prostituierte umgebracht haben. Tatsache oder verzweifelter Schachzug der NSA?

Hauptfigur

Gary Golay: stellvertretender Stabschef im Weißen Haus, Familienvater und ein feiner Kerl. Mit Gewissen. Er will nicht, dass seine Regierung Das Haus der tausend Augen weiterlesen

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ESC-Check 2015

Alle 40 Songs, alle 40 Interpreten: Hier kommen sie unter den verbalen Hammer. 

Christian: Ich hab diesmal wirklich während des ersten Guckens geschrieben, und ohne vorher groß was über die Interpreten, die Songs oder die nationale Auswahl gelesen zu haben. Meine Kommentare daher sehr subjektiv, bestimmt nicht so informativ wie die auf eurovision.de – aber dafür meinungsfreudig.

19. Mai  |  1. Halbfinale:

Albanien: Elhaida Dani – I’m alive

Christian: Besteht der Song nur aus Refrain? Berührt mich null. Nächster! 

Armenien: Genealogy – Face the shadow

Christian: Abgesehen von dem wirklich tollen, Tim-Burton-haften Video: Das Spiel mit den drei (und später ESC-Check 2015 weiterlesen

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Tops und Flops meiner Urlaubslektüre

Urlaubszeit=Lesezeit. Die hab ich für einige Bücher genutzt. Lohnende und weniger tolle. Hier gibts den knappen Überblick – als Tipps und Warnung für euren nächsten Urlaub …

Jens Westerbeck: After Show Party

Amüsante Mediensatire, über die es einen eigenen Text hier gibt.

Marcus Rafelsberger: Das Prinzip Terz

Der etwas andere deutsche Krimi. Konrad Terz, der ermittelnde Kommissar, ist sowas wie ein Professor Börne in skrupellos und verheiratet. Nicht auf den ersten Blick ein Sympathieträger, und doch hoffen wir, dass er mit allem durchkommt, was er sich so leistet. Und das ist einiges, für das man normalerweise sehr lange von der Bildfläche verschwindet. 

Das Prinzip Terz ist die Neuauflage eines schon 2004 erschienenen Krimis. Inzwischen hat Rafelsberger unter dem Pseudonym Marc Elsberg mit Blackout und Zero zwei vielbeachtete Thriller zu aktuellen Fragen unserer modernen Gesellschaft geschrieben: Stromversorgung und Vernetzung. Klingt trocken, ist aber alles andere. 

Wer sich von Commissario Brunetti manchmal noch ein bisschen mehr Unkorrektheit wünscht, der wird an Kommissar Terz seine Freude haben.

Neal Baer: Der Rätselmacher

Irrer Killer gegen brave Ärztin: Bekanntes Prinzip lesenswert verpackt. Wer Serienkiller-Krimis mag, wem am Pool in der Sonne nach Gänsehaut ist, der liegt mit diesem Buch richtig.

Martin Calsow: Quercher und der Totwald

Wunderbar! Gradliniger Kommissar ermittelt in bayerischen Adelskreisen und verwickelt sich dort auch privat. Mit viel Witz und Hintesinn geschrieben, kein Klamauk und absolut vorstellbar. Mal wieder ein Regionalkrimi, der heraussticht aus der großen Menge der Regios. 

Josh Malerman: Bird Box – Schließe deine Augen

… Und fang am besten gar nicht erst an, dieses Buch zu lesen. Angepriesen als Mischung aus Hitchcocks Die Vögel und Stephen King stellt es sich als lähmend langatmige Schilderung der Flucht einer Frau mit ihren Kindern vor einer unsichtbaren Bedrohung heraus. Unsichtbar deshalb, weil alle die Augen verbunden haben. Denn irgendwas treibt die Menschen in den Selbstmord, sobald man es ansieht. Und hat so offenbar nahezu die gesamte Menschheit umgebracht. 

Warum? Keine Ahnung! Weil es das kann? Hmm… Und was ist die Bedrohung? Erfährt man auch nicht. Außer ein paar Theorien der Opfer. Vielleicht ist es die Angst der Menschen selbst, die sie in den Wahnsinn treibt? Am Ende bleibt da alles offen. 

Die größte Enttäuschung aus diesem Stapel Urlaubslektüre.

John Grisham: Anklage

Was soll ich da groß schreiben: ein echter Grisham. Kleine Anwälte, ein übermächtiger Gegner (in diesem Fall die skrupellose Kohleindustrie), viele Infos über Zusammenhänge und Prozesse … die Zutaten eines spannenden Gerichtskrimis sind alle da. 

Ich mag das ja. John Grisham ist mein längster Urlaubsbegleiter. Ich hab mit seinen ersten Büchern vor vielen Jahren in Dänemark im Familienurlaub unterm Baum gesessen. Ein verlässlicher Begleiter, dieser John Grisham.

Und doch ist Anklage anders: Wenn es nämlich ans Eingemachte geht, wenn jetzt mal jemand wirklich klagen könnte, ist das Buch zuende. Stattdessen ist es eine Anklage gegen die profitgierige, umweltzerstörende Kohleindustrie, die in den Appalachen Menschen und Natur zerstört. Insofern doch eher ein ungewöhnlicher Grisham, aber ein wichtiger.

 

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Tsubba Mediensatire!

Buchtipp für alle Medienmenschen und die, die Satiren lieben: After Show Party. Und darum gehts:

JBC, der neue Sonntalkabendtalk im Ersten, startet heute. Alle sind aufgeregt: JBC, der noch geheim schwule Moderator, weil er doch noch nie ne Talkshow moderiert hat. Story, der abgewrackte Chefreporter vom BLATT, Deutschlands größter Boulevardzeitung, weil er ne Riesenstory platzieren will. Franziska Steil, die Verlegerin vom BLATT, weil sie das erstens verhindern und zweitens einen ganz eigenen Plan durchziehen will. Und so viele andere: Regisseur Der Joseph wegen der zwölf Nutten, Steils Chauffeur wegen des Hundes, der Blogger wegen … Ach und so weiter.

Ein Buch, ein Sonntag: Wir werden in einer satirischen Reportage durch einen verrückten Sonntag in der Berliner Medienwelt geführt. Mit all ihren Eitelkeiten, Verrücktheiten, Abgründen, Spekulationen, Erpressungen und zynisch kalkulierten Skandalen. Es spricht für sich, wenn der exzentrische Engländer Tsubba Mediensatire! weiterlesen

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Wir Journalisten und die Katastrophe

Dortmund am 26. März 2015: Seit Dienstagmittag beschäftigt uns in der Dortmunder WDR-Redaktion hauptsächlich ein Thema. Und die Beschäftigung hört nicht auf, wenn wir nach Hause gehen. Nicht im Kopf, nicht im Gespräch, nicht im Herzen. Einige Gedanken dazu, die im Laufe dieser Tage entstanden sind:

1. Nein, auch wir beim WDR machen nicht alles richtig. Nicht instinktiv, nicht immer im Eifer des Gefechts. Aber ich glaube, wir haben hier deutlich mehr richtig gemacht als manche andere Medien. Respekt vor den Angehörigen der Absturzopfer und dem Andenken der Verstorbenen stand immer an erster Stelle. Distanz zu wahren auch. Ja, wir wollen gerne „nah ran“ an die Menschen, über die wir berichten. Das bringt das Medium Fernsehen so mit sich. Aber nur, wenn sie das auch wollen. Und nicht um den Preis ihrer (und unserer) Würde.

2. Ja, ich finde es richtig, dass wir in diesem Umfang berichtet haben. Was passiert ist, ist ein großes Unglück mit großer Nähe zu den Menschen in NRW. Viele Bekannte haben mir in den letzten Stunden gesagt, dass sie direkt oder über Ecken Opfer kannten. Sie waren betroffen, hatten das Bedürfnis nach Informationen, auch darüber zu reden. Wir als Landessender in NRW haben hier Zuschauern und Hörern zu jeder Zeit die Möglichkeit gegeben, sich über den Stand der Dinge, über Reaktionen zu informieren. Aber auch in den Dialog zu treten, über menschliche Fragen, die sie hier ergeben, zu reden. Niemand erwartet, dass man stundenlang vor dem Fernseher sitzt und die Sondersendungen guckt. Dann läuft man über. Aber es gibt gerade kein Thema in NRW, das die Menschen mehr beschäftigt. An dem sie mehr Anteil nähmen.

3. Nein, diese ganzen Spekulationen und Grenzüberschreitungen brauche ich auch nicht und will sie auch nicht. Da kotz ich!

4. Aber bitte: keine pauschale Medienschelte! Ihr Medienkritiker, die ich euch aufmerksam und interessiert lese und zuhöre, die ihr oft wichtige Thesen aufstellt und Denkanstöße gebt: Schmeißt nicht alle in einen Topf! Nennt Ross und Reiter!

5. Ihr Wutbürger hier bei facebook, denen die Berichterstattung schon am ersten Tag zu viel war, die Tiraden auf die „Lügenpresse“, die „Scheißjournallie“, die „Schmeißfliegen von den Medien“ losließen: Was seid ihr für kleingeistige, empathiearme, undifferenzierte Würstchen! Dann guckt einfach was anderes oder lest ein Bu… nee, das würd euch wahrscheinlich überfordern.

6. Wenn mir eine Redaktionsassistentin heute Abend erzählt, dass sie allein heute Nachmittag mit fünf Zuschauer_innen telefoniert hat, die sich weinend für die menschliche, angemessene, empathische, plastische Reportageleistung unserer Aktuelle Stunde-Kollegin Astrid Houben aus Haltern bedanken, dann bin ich froh, dass Menschen unsere Arbeit so wahrnehmen. Und freue mich, dass wir offenbar den richtigen Ton treffen.

7. Es ist zynisch, den Offiziellen, vor allem den Politiker_innen, Heuchelei und Beileidstourismus zu unterstellen. Ich habe Hochachtung vor Halterns Bürgermeister Bodo Klimpel, der gerade einen Albtraum durchmacht und auf eine zutiefst menschliche Art vor den Bürgerinnen und Bürgern seiner Stadt steht, die Schüler und Angehörigen abschirmt, indem er sich der Presse und damit der Öffentlichkeit stellt. Auch Hannelore Kraft wirkte auf mich einfach menschlich tief betroffen. Und da ist es gut und richtig, dass sie demonsrativ an der Seite der Angehörigen stehen. Denn auch Politiker sind in erster Linie Menschen. Wer das anzweifelt, hält sich wohl für was Besseres. Ätzend!

Wir Journalisten und die Katastrophe weiterlesen

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Morde zwischen Recht und Rache

Georg von Andechs hat mit „Recht und Rache“ einen der besten Regionalkrimis geschrieben, die ich bisher gelesen habe.

Für WDR 2 habe ich den Krimi gelesen.

Story

Francois Kollmann, Waffenhersteller aus Kamp-Lintfort, hat die Folter nicht überlebt. Die Polizei Morde zwischen Recht und Rache weiterlesen

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Das geht gar nicht!

Das war also der ESC-Vorentscheid. Aber nicht das Fernsehvolk hat entschieden, sondern der Gewinner. Nämlich, die Wahl nicht anzunehmen. Jetzt fühlen wir uns verarscht. Zurecht.

Is mir echt egal, warum Andeas Kümmert meinte „nicht in der Verfassung zu sein, die Wahl anzunehmen“. Das hätte er auch früher wissen können. Der Mann hat bei ProSieben/SAT.1 die Castingwochen bei „The Voice of Germany“ durchgestanden. Hat den Wettbewerb gewonnen. Da ist der freiwillig hingegangen. Hat freiwillig Platten aufgenommen.

Ich kann mir auch beim besten Willen nicht vorstellen, dass seine Plattenfirma ihn jetzt gezwungen Das geht gar nicht! weiterlesen

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