Endlich ist es da, das Debütalbum von “Hurts”. Ja genau, von den beiden Herren aus Manchester, deren “Wonderful life” gerade immer genau dann läuft, wenn ich das Radio einschalte (wobei der Sender fast egal ist, bis auf die Schlager-, Wort- und Klassikwellen spielen ihn alle.) Hurts also jetzt mit nem ganzen Album. “Happiness” heißt es. Und ja, genau die erzeugt es beim Hören.
Während dieser Text entsteht, schallt es zum ersten Mal aus meinen Boxen, und garantiert nicht zum letzten Mal. Die Mischung aus Elektronik und Hymne, aus Coolness und Gefühl in der Stimme, aus Traurigkeit und Optimismus, genau diese Mischung trägt mich beim Hören fort. Ein Album für die Tanzfläche voller erwachsener Menschen, die sich in die Musik reinfallen lassen wollen.
Toller Einstieg mit “Silver Lining”, dann die Single. Spätestens bei “Illuminated” hat der Geist abgehoben. Es wird etwas dauern, bis man die einzelnen Stücke wirklich trennscharf unterscheiden und benennen kann, zunächst fließt der Sound von einem Track zum anderen. Das macht aus den 11+1 Nummern am Ende ein Ganzes.
Es sind große Namen wie Depeche Mode, mit denen Hurts schon verglichen wurden, aber da wollen wir mal nicht anmaßend werden. Da reden wir mal in drei Alben und den ensprechenden Verkaufszahlen nochmal drüber. Aber wünschen würde ich es ihnen nach diesem Debüt auf jeden Fall!
Und hier für alle, die nicht genug davon bekommen können, das Video zur Single:
Michael Gantenberg ist Autor, Moderator, Journalist, lustig – ein vielseitig wort-talentierter Mensch. Ach ja, den Grimme-Preis hat er auch schon, für “Ritas Welt” mit Gaby Köster.
Der Mann war zwei Stunden zu Gast im eldoradio*-Studio. Herausgekommen ist eine unterhaltsame Doppelstunde über sein neues Buch “Zwischen allen Wolken”, die Anfänge seiner Karriere, und die Frage, für welchen deutschen Comedian er auf gar keinen Fall schreiben würde.
Wer die Sendung nicht im Original hören konnte: Hier ist der (aus Rechtegründen) musikbefreite Podcast.
“Der schönste Stau der Welt”, die WDR-Reportage vom Still-Leben A40, ist jetzt auch online anguckbar.
Diesen Film hinzubekommen, war eine logistische Herausforderung für Autoren, Redakteure, Kameraleute, CutterInnen, Techniker, Kuriere und und und. Schließlich war die Haupt-Verkehrsader des Reviers dicht. Und zwischen Veranstaltungsende und Sendung lagen gerade einmal knappe fünf Stunden. Wenig Zeit für 30 Minuten Fernsehen.
20.000 Tische, 200.000 Aktive, 1 Million Besucher: Das Still-Leben auf der A40 am Sonntag, 18.07.2010, wird das größte Spektakel der Kulturhauptstadt RUHR.2010.
Damit das alles in geordneten Bahnen verläuft, haben die Organisatoren ein paar Regeln aufgestellt. Die hab ich mit 1LIVE-Moderatorin Sabine Heinrich in ihrer Sendung besprochen. Aus gutem Grund: Schließlich will Frau Heinrich in Bochum-Stahlhausen mit den Hörern auf der A40 frühstücken. Genau wie WDR2 in Dortmund-Dorstfeld, die Aktuelle Stunde im Duisburger Kreuz Kaiserberg und die drei Ruhrgebiets-Lokalzeiten in Dortmund, Essen und Duisburg.
Das Gespräch vom 16.07.2010 auf 1LIVE hier nochmal zum Anhören:
eldoradio* in Dortmund, das Campusradio, 07. Juli 2010: Ruhrreporter Björn Boch knurrt in einem Kommentar über RUHR.2010. Für ihn ist das alles Verharren im Gestern, überall Zechentürme, die Kulturhauptstadt nicht mit dem nötigen Blick in die Zukunft. Seine Meinung. Nur dass ich die so gar nicht teilen konnte.
200.000 Menschen an 50 Spielorten, dazu 200 Sonderbusse und -bahnen: Es war wirklich eine Sommernacht der Superlative, diese Extraschicht im Ruhrgebiet am 19. Juni.
Die Kulturhauptsstadt feierte ihr Sommerfest mit viel Theater, Musik, Feuer-, Licht- und Wasserspektakel und einer Artistikshow im Dortmunder Stadion. Dort habe ich die Street-Artists der UrbanatiX-Show vor und bei ihrem Auftritt begleitet. 5000 Zuschauer auf der Nordtribüne honorierten die atemberaubende Show mit Standing Ovations. Zurecht!
Was bleibt von RUHR.2010, wenn 2010 vorbei ist? Fritz Pleitgen hat da eine Vision: “RUHR.2020″, ein solches Ziel sollte man sich stecken, sagte er im Interview mit der WDR-Lokalzeit aus Dortmund. Ein erneuter “großer Aufschlag in zehn Jahren”.
In der vergangenen Woche (Mitte Juni 2010) hatten Presseveröffentlichungen eine Debatte um die Zukunft der RUHR.2010 GmbH und ihres führenden Kopfes Oliver Scheytt losgetreten. Die Zeitungen der WAZ-Mediengruppe zitierten ein internes RUHR.2010-Papier, nach dem Scheytt ein “Super-Kulturdezernent” fürs Ruhrgebiet werden könnte – an der Spitze einer weitergeführten RUHR.2010 GmbH.
Fritz Pleitgen, Scheytts Mit-Geschäftsführer, erteilte solchen Plänen eine Absage. Gleichwohl müssten der Geist der Kooperation, die Bündelung der Kräfte für gemeinsame Anstrengungen erhalten bleiben. Pleitgen wandte sich klar gegen “Rosinenpickerei” einzelner Städte, die sich gut laufende Projekte einverleiben wollen.”Das wäre töricht”, so der ehemalige WDR-Intendant wörtlich.
Den – nach Pleitgens Worten – “höchst attraktiven Standort Metropole Ruhr” haben in den vergangenen Monaten schon hunderttausende Menschen erlebt. SchachtZeichen, Extraschicht, Ruhrfestspiele, Lichtkunst-Biennale und im Juli das Still-Leben auf der A40: All diese Projekte wurden gemeinsam von vielen Menschen aus dem Ruhrgebiet gestemmt. Sie haben Bilder nach außen getragen, die das Image des Ruhrgebiets verändern helfen.
Mehrere tragische Todesfälle, schräge Charaktere, eine Liebe ohne Happy-End – und doch ist “Zwischen allen Wolken” ein wunderbares Sommerferienbuch.
Michael Gantenberg erzählt in seinem zweiten Roman die Geschichte einer Abiturientin auf einer kleinen Nordseeinsel. Da braucht man doch nicht 326 Seiten für, möchte man denken. Doch doch, wenn man so skurrile Verwandte hat wie Gesa und neben dem Abitur das Leben grad absurde Volten schlägt, dann sind 326 Seiten gerade genug.
Ihr Bruder stirbt und bleibt dennoch bei ihr, sie bekommt einen neuen Opa, Oma bekämpft als Wattfee zwischen Sand- und Mischwatt unerfüllte Kinderwünsche, Mutter entdeckt ihre mütterlichen Gefühle für eine Ente namens Jean-Pierre, Papa hält es nicht mehr aus, und Tante Nele hat ihre ganz eigene Art, auf der Ferieninsel Patienten zu aquirieren. Ein höchst unterhaltsames Gespann, das da auf Nördrum sein Dasein zwischen Strandkörben und Rührei zum Frühstück fristet. Und doch weit entfernt von Figuren-Holzschnitt à la Ohnsorg-Theater.
Mit welcher emotionalen Wärme, Liebe zum Detail und gewitzten Psychologie Gantenberg seine Figuren zeichnet: ein Lesegenuss zwischen Schmunzeln, lautem Lachen und trauriger Anteilnahme. Wie sich dieser erwachsene Autor weit jenseits der Pubertät einfühlt in die Gefühls-Zwickmühlen einer 18-jährigen, trauernden Verliebten, die mitten im Bio-Lernen-Abistress auch noch immer mehr Verantwortung für den Familienbetrieb bekommt, das beeindruckt. Dabei wird er nie gefühlsduselig oder kitschig, trifft immer den richtigen Ton.
Unglaublich! Hammer! Großartig! Leeeeeeeena! – So oder ähnlich schallte es kurz nach Mitternacht am 29./30. Mai 2010 auf allen Kanälen. Vor allem den digitalen. Facebook, Twitter, Blogs, Gästebücher: Sie waren im Eurovision-Taumel.
Wer nicht mit anderen vor dem Fernseher Party machte, tauschte sich im Netz mit anderen aus. “Lagerfeuer 2.0″ hat der Fachdienst DWDL.de das getauft. Die besten Kommentare aus den diversen Chats und Blogs habe ich hier zusammengestellt:
“Der walisische Zypriot (oder umgekehrt) kriegt einen Ehrenpreis für das sämigste Milchgesicht des Abends.” (Johannes Waechter bei sueddeutsche.de)
zum englischen Beitrag: “Rick Astley mit amputiertem Kehlkopf wäre besser.” (Facebook)
“Das hat wehgetan, Großbritannien. Alexander-Klaws-Double mit einer wirklich lahmen Nummer.” (bild.de)
“Weissrussland. Ganz putzig. Für eine Diktatur.” (Marc Baumann bei sueddeutsche.de)
bei der Punktevergabe: “Malta: die Frau, die dafür sorgt, dass die Insel nicht abhebt.” (Facebook)
“Lettland gibt uns 12 Punkte. Norwegen gibt uns 12. Meine Damen und Herren, wir schreiben Geschichte (ein bisschen zumindest). Wird Franz Beckenbauer nach dem Sieg einsam über die Bühne spazieren, gedankenversunken?” (Marc Baumann bei sueddeutsche.de)
“‘Das ist ein Titel, der gewinnen kann’ urteilt Peter Urban über Lena – bei knapp 40 Punkten Vorsprung. Urban ist vermutlich kurz vor Schnappatmung.” (Martina Koch bei sueddeutsche.de)
“Langsam gewöhnen wir uns daran: ‘12 points go to Germany!’ Auch aus der Schweiz die volle Punktzahl.” (bild.de)
“Wir sind Lena!!! Jetzt müssen wir nur noch die WM gewinnen.” (Facebook)
“Auf Wiedersehen Scorpions, Hallo Lena. Raab jubelt mit Flagge, Lena fasst es nicht. Die Frau ist 19. Jetzt: lebenslang Satellite. Fluch und Segen. Aktuell sehr viel mehr Segen. Peter Urban: ARD und Pro Sieben übertragen live wenn Lena am Flughafen landet. Gaaaanz ruhig, ARD, gaaaanz ruhig. Durchatmen.” (Marc Baumann bei sueddeutsche.de)
“29. Mai neuer Nationalfeiertag. 3. Oktober wird abgelöst!” (Facebook)
“Werft die Windmaschinen weg, packt die Flammenwerfer ein – ab heute regiert die neue Natürlichkeit!” (Johannes Waechter bei sueddeutsche.de)
“Unglaublich! Jetzt muss Stefan Raab noch schnell bis Montagabend die Nationalmannschaft zusammenstellen und dann werden wir auch noch Weltmeister!” (Denis Schneider bei Facebook)
“Europe: You can’t afford all this dancing. You’re in debt! Get back to work!” (@jeffjarvis bei Twitter)
*Die Formulierung aus der Überschrift stammt übrigens aus einem Tweet von @saschalobo!
Es ist die bislang spektakulärste Aktion der Kulturhauptstadt RUHR.2010: Schachtzeichen.
311 gelbe Ballone schweben über vielen (ehemaligen) Zechenschächten des Reviers. Die Menschen freuen sich daran, am Auftakt-Tag war viel los auf den aussichtsreichen Halden und zu Füßen der Ballone.